Voie l’Abbaye de Beauport

Voie l'Abbaye de Beauport
Voie l’Abbaye de Beauport
Voie l'Abbaye de Beauport
Voie l’Abbaye de Beauport

Côte du Goëlo, die Region Bróceliande und der Heilige Gral

Unser Weg startet an der bretonischen Küste „Côte du Goëlo“ in Paimpol in der Bucht von Saint-Brieuc direkt beim Abbaye Beauport, welches neben den Resten des mittelalterlichen römischen Hafens „bellus portus“  liegt. Die Römer bauten diesen Hafen um von dort das Salz zu verschiffen, welches auch als „weißes Gold“ bezeichnet wurde. Dort herrscht ein angeblich ein gewaltiger Tidenhub, die Bucht wird bei Ebbe zu einem Rinnsal und so dient der Hafen heute nur noch den Urlaubern, höchstens vielleicht noch Sportfischern, wir hätten hier sehr gut unseren Badeurlaub machen können.

Im Herzen der Bretagne führt der Jakobsweg „La voie l’Abbaye-de-Beauport“ zwischen Josselin und Malestroit vorbei am Rand der Region Bróceliande, die durch die Artus-Sage bekannt geworden ist. Landschaftlich zeichnet sich die Gegend durch Heidelandschaft aus, uns haben aber insbesondere die Wälder und der intensive Geruch nachhaltig beeindruckt. Unser Weg „Voie l’Abbaye de Beauport“ verläßt hinter Rochefort-en-Terre nach etwa 250 Kilometern diese sagenumwobene Gegend.

Voie l'Abbaye de Beauport Rochefort-en-Terre
Voie l’Abbaye de Beauport Rochefort-en-Terre

Erstmals taucht diese Region 1180 im Zusammenhang mit dem Heiligen Gral in einer Legende als „Geschichte des Grals“ auf. Dieser geheimnisvolle Gegenstand ist angeblich der Kelch, in dem das Blut Christi gesammelt wurde. Noch heute gehört symolisch ein Kelch in der christlichen Kirche zum Abendmahl.

Rochefort-en-Terre Jakobus in Malestroit
Rochefort-en-Terre Jakobus in Malestroit

Angeblich kam der Gral nach England, von dort in die Bretagne und dann in das heute spanische Aragonien in das Kloster San Juan de la Peña, welches an einem Treffpunkt des Camino Aragón mit dem Camino Catalán liegt. Heute wird dieser Kelch angeblich in Montserrat sicher verwahrt.

Die Region Bróceliande verweist allerdings nicht auf kirchliche Hintergründe, sondern erinnert an Sagen und Geschichten der Zauberwelt von Merlin. Auch die Artus-Runde, die Artus-Sage spielt hier eine große Rolle. Die Reiter von Rohan tauchen nicht erst bei Tolkien auf, sondern Rohan ist ein historischer Ort an unserem Weg. Lancelot und die Ritter der Tafelrunde, Parzival und Tristan gehören in diese Region und seit dem IV Jahrhundert n. Ch. wird sie immer wieder in etlichen Erzählungen erwähnt. Diese sagenumwobene Gegend ist beliebt bei Schriftstellern, auch wir haben ständig das Gefühl, es könnte gleich eine Elfe oder ein Zwerg über den Weg laufen.

Voie l'Abbaye de Beauport Josselin Duc de Bretagne
Voie l’Abbaye de Beauport Josselin Duc de Bretagne

Insgesamt erinnern viele Orte dieser Gegend an die Fantasiewelt Tolkiens, dazu gehören die Namen der Region Morbihan genauso wie keltische Zeugnisse in Lanleff oder die vergessene Kirche – la chapelle oubliée Sainte Catharine oder in Quintin der Bauernmarkt. Die zahlreichen Ritterfestspiele, welche in den Sommermonaten stattfinden haben wir leider alle verpasst.

Die vielen lichten Wälder mit Moosen und Farnen am Wegesrand und ab und zu Hohlwege wechseln sich mit Wiesenwegen ab. Erst kurz vor Rohan verläuft der Weg oft entlang dem Nantes-Brest-Canal, wird aber durch zahlreiche blumengeschmückte Schleusen etwas erträglicher gestaltet. Der Weg verläßt immer wieder den Kanal und führt in die umliegenden Wälder. Hinter Malestroit verlassen wir die Region von Bróceliande. Leider kommen wir nicht in die Verlegenheit einen der Schätze zu heben, denn wir sind immer noch ca. 30 km Luftlinie von diesem geschichtsträchtigen Ort entfernt, in dem heute noch der Schatz von Merlin in der Nähe von Paimpont verborgen sein soll.

Voie l'Abbaye de Beauport Rochefort-en-Terre
Voie l’Abbaye de Beauport Rochefort-en-Terre

Fest steht allerdings, daß der Historiker und Schriftsteller Tolkien seine Fantasiewelt nicht aus dem Ärmel geschüttelt hat – sie existiert tatsächlich, immerhin haben die Tempelritter hier einen Verwaltungsstützpunkt gehabt und Jacobus soll höchstpersönlich in diesem Landstrich gewesen sein. Er soll einige Zeit hier verbracht haben, wurde uns zumindest erzählt.

Wir haben selten eine Region gefunden, die den Jacobuskult dermaßen aufgesogen hat, weil er so gut zum keltischen Ursprungsglauben passte. Die keltische Kultur konnte sich einfügen und ist dadurch bruchstückhaft über die Jahrhunderte erhalten geblieben. Oft sind alte Granithäuser zu sehen und die ältesten sind meistens Gotteshäuser, in denen mitunter noch keltische Reste zu finden sind. Keltische Kunstwerke wurden in anderen Bauten recyclelt. Aus dem Mittelalter fanden wir wunderschön verzierte Fachwerkhäuser, ganz auffällig waren die figürlichen Darstellungen an Balkenköpfen, Prachtfassaden und Giebeln. Burgen und Schlösser gaben uns zusätzlich das Gefühl auf einer Zeitreise zu sein.

Die für die Bretagne so bekannten Steinsetzungen, Menhire und Dolmen sind an dieser Strecke fast nicht zu finden, dafür haben wir unsere Rast in der Morgendämmerung bei einer der fünf berühmten bretonischen Windmühlen aus dem Mittelalter gemacht.

Malestroit hatte eine weitere Überraschung für uns parat – ein gigantisch großer Schwarm fliegender Ameisen schlüpfte im Gebälk der 300 Jahre alten Schleusenwärterhaus, in welchem die Pilgerherberge untergebracht ist. Die fliegenden Ameisen  krochen in unsere Schlafsäcke. Für den folgenden Tag wurde uns 38 Grad Celsius prognostiziert und so entschlossen wir uns gegen Mitternacht die Herberge zu verlassen.

Die Cathédrale in Nantes mit ihren enormen zum Himmel strebenden Pfeilern beeindruckte uns sehr. Sie beherbergt zahlreiche Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament, dazu gehört auch das Grab von Herzog Franz II der Bretagne und Margarete von Foix mit enormer Symbolkraft aus strahlendem Carrara-Marmor. Die großartige Hilfsbereitschaft in den Tourist-Infos und den Gites unterwegs, die freundlichen Leute in Cafés und am Wegesrand, die netten Gespräche auf den Campingplätzen, der herzliche Empfang in Nantes in der Cathédrale Saint Pierre et Paul sind ausschlaggebend für unser Wohlbefinden unterwegs gewesen.

Unsere zwei Nachtwanderungen bei Mondschein mit dem berauschenden nussartigen Duft der Wälder mit den angrenzenden Buchweizenfeldern, am Wegesrand zahlreiche Glühwürmchen, der Nebel, welcher morgens über die sanften Hügel krabbelte machte unsere diesjährige Pilgertour zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Auf google ist unsere komplette Fotodokumentation zum Voie l’Abbaye de Beauport

 

Paimpol bis La Madeleine 6,6 km
La Madeleine bis Lanvollon 16,8 km
Lanvollon bis Châtelaudren 16,4 km
Châtelaudren bis Boqueho
Boqueho bis Quintin 15,4 km
Quintin bis Bosmeleac 17,9 km
Bosmeleac bis Quillio 12,2
Quillio bis Saint-Caradec 8,1 km
Saint-Caradec bis Saint Gonnery 12,3 km
Saint-Gonnery bis Rohan 9,7 km
Rohan bis Josselin 25,9
Josselin bis Malestroit 26,6 km
Malestroit bis Rochefort-en-Terre 19,7 km
Alternativ: Malestroit bis Saint-Jacut-les-Pins
Rochefort-en-Terre bis Saint-Jacut-les-Pins 11,8 km
Saint-Jacut-les-Pins bis Redon 16,2 km
Redon bis Fégréac 12,3 km
Fégréac bis Gouenrouet 21,4 km
Gouenrouet bis Blain 22,3 km
Blain bis Nort-sur-Erdre 25,7 km
Nort-sur-Erdre bis La-Chapelle-Sur-Erdre 20,6 km
La-Chapelle-Sur-Erdre bis Nantes 16,5 km
Nantes bis Saint-Fiacre-sur-Maine
Saint-Fiacre-sur-Maine bis Clisson

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