Die Zeugnisse der Pilger sind ziemlich zahlreich und reichen aus, um drei compostellanische Zeitspannen zu charakterisieren, allerdings ist ihre Einteilung und deren Erklärung bis heute anfechtbar. Die Kenntnisse der meisten Erzählungen sowie deren Veröffentlichungen sind neu, insbesondere der ältesten Legenden. Ein Ende ist derzeit noch nicht abzusehen, niemand kann sagen, wann die Ausgrabungen völlig aufhören werden.

Gemäß den Pilgererzählungen gilt das XV. und XVI. Jahrhundert als Blütezeit der Pilgerbewegung. Zu dieser Zeit sind die Pilger bereits zweifellos seit drei Jahrhunderten zum vermutlichen Apostelgrab des Jakobus unterwegs und die Pilgerkultur existierte bereits. Zahlreiche Texte beschrieben damals die Routen, prägten die Organisationen und die Jakobus-Architektur und die Kunst. Sie boten die ersten detaillierten verläßlichen Porträts, genauer gesagt – es gab ein Wirtschaftssystem der Pilger.

In den Jahren 1414 bis 1531 entstanden einige Dutzend Geschichten dieser Bewegung, die von Heinrich Schönbrunner damals dokumentiert wurden. Einige sind noch heute sehr modern, sie sind detailliert, lebendig, sie relativieren Umstände und Motivationen, erzählen Erfahrungen und Anekdoten ohne die tiefgründigen Motive zu verschweigen. Sie berichten über eine Abenteuerreise von mehreren Monaten, insbesondere handeln diese Berichte von den drei klassischen Pilgerwegen der Christenheit, die sich nahtlos aneinanderreihen. Sie verbinden die Pilgerreisen Rom und Jerusalem nach Compostela.

Diese Reiseberichte suggerieren alle eine erstaunliche Mobilität der Menschen, vorwiegend die am besten Unterrichteten und besser ausgestatteten am Ende des Mittelalters. Betrachtet man die Jakobusrouten durch Europa, dann kamen diese Pilger von fast überall aus dem Osten und Norden des Kontinents, bis heute bleibt die Reise immer noch ein Abenteuer. Die Spannweite der Geschichten reicht von  total fabulös bis exzentrisch und von der Fabelwelt bis zur Wirklichkeit.

Quelle: Les voix de Compostelle, Omnibus-Verlag, von Antoine de Baecque, 602 Seiten.

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