Ein Verzeichnis über die Strecke im Norden Kastiliens hatte bei mir einen Eindruck des Unwohlseins hinterassen. Man findet übrigens diesen Eindruck in mehreren Erzählungen von Reisenden wieder, die früher die Königreiche von Spanien durchreisten.

Kastilien ist nicht wirklich eine Wüste, aber es ähnelt ihr verdammt sehr. Man könnte denken, dass die gegenwärtige Landschaft das letzte Stadium vor der völligen Versteppung und der Sahelation des Landes ist. Bestimmte, auf dem Weg mir begegnende Personen haben mir gesagt, dass es früher Bäume in dieser Provinz zur Zeit der römischen Kolonisation, besonders alte und grüne Eichen, gegeben hatte. Eine Sache ist heute sicher: Es gibt sie nicht mehr. Der Norden von Kastilien ist ein riesengroßes umgepflügtes Feld, ohne Grenzen, in ockergelber Farbe im Winter, im Frühling grün und gelb im Sommer.

Man kann hunderte Kilometer laufen, ohne einen einzigen Baum oder einen einzigen Schatten zu sehen. Die ganze Erde ist extensiv mit Getreide bepflanzt oder im Weinanbau kultiviert. Der Kult des Baumes ist wichtig für uns. Die Dörfer sind in der der Grenzenlosigkeit verloren, aus Lehm herausgehoben, ganz und gar ocker-gelb, ganz braun, ohne den Schatten einer Erinnerung an Grünzeug. Noch nicht einmal eine unglückliche Linde, um darunter seinen Malagawein zu schlürfen, keinen Schatten einer Platane für eine Pause ist zu finden.

Aber auch Frankreich übt sich in extensiver Landwirtschaft, dieses Land ist nur mit mehr Wasser gesegnet. In Spanien gibt es allerdings ein weiteres Problem: Die Stauseen in den Pyreneen, die Erdrutsche und Erdbeben verursachen und mit europäischen Fördergeldern finanziert worden sind machten zahlreiche Bauern in der Region arbeitslos.  Die spanische Regierung hat 16 Seismografen verteilt, um eventuelle Gefahren durch Erdrutsche rechtzeitig erkennen zu können. Einen entsprechenden Artikel gibt es auf der Internetseite www.YESANO.com

Bevor ich gehe, frage ich mich: Kann es Bäche und Brunnen in diesen Millionen Hektar Staub geben? Ich werde die Antwort unterwegs haben: Ich mache meine Reise in der Jahreszeit, das heißt im Frühling. Die  Region bietet wenigstens ein bißchen Grün, die Felder des Getreides, die noch nicht abgeerntet sind.

In diesem Sinne verschafft diese Harmonie, diese Ausdehnung der Erde, diese unendliche ausgedehnte Ackerfläche, die einschließlich der Hügel umgepflügt ist demjenigen kein Vergnügen, der sie bewandert. Das ist eine „fabrikmäßig hergestellte“ Erde. Die Menschen, die dieses Land bewohnen, haben alles der ursprünglichen Vegetation entrissen und zerstört. Nirgends ein wildes Wäldchen, ein Rest einses Waldes, kein Ort, sich zu verstecken um die Vögel zu beobachten. Übrigens gibt es keine Vögel mehr, keine Wälder, keine Wiesen, keine Hecken, nichts mehr…

Man erblickt von Zeit zu Zeit Überlebende der eisernen Axt, einige ausgetrocknete Hektar, wo alte Pinien versuchen, ihre Wurzeln in den Boden zu tauchen. Von jetzt an ruhen sich in diesem Mondlande nur Staubmoleküle aus, die man bittet, den Weizenstiel zu stützen, bevor die Dürre des Sommers alles gelb gefärbt hat. Solche Landschaften im Blick verstehe ich jetzt, dass die jungen Spanier von den Eroberungen in fernen Ländern geträumt hatten. Besser bei den Incas sterben als im Kummer eines kastellianischen Dorfes.

Quelle: Il est un beau chemin…

Welcher Weg…. ?

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