Via del Volto Santo

Volto Santo, eine Pilgerwanderung im August 2017

Irgendwie sind wir statt auf 188 Kilometer 238 Kilometer gekommen. Ob nun  durch Umwege oder Rechenfehler ist mir nicht bekannt.

erste Fotodoku auf Youtube

Die Rückreise hatten wir über Florenz, eine Fotodokumentation dazu gibt es auf meinem Videokanal

Die Entstehung der Legende zu diesem Pilgerweg erinnert stark an die des Jakobsweges. Die Legende zum Holy Face ist in der gleichen Zeit entstanden und hat ähnliche Eckdaten.

Start vom Via del Volto Santo in Pontremoli

Der mittelalterliche Pilgerweg von Pontremoli nach Lucca in Italien scheint fast vergessen zu sein. Inzwischen kommen jährlich wieder etwa 400 Pilger. Es sind viele alte Burgen, mittelalterliche Wege und alte Brücken noch gut erhalten geblieben. Fast keine geteerten Wege, etliche Hohlwege, Burgdörfer, die es nur hier zu geben scheint und endlos viel Schatten auf Waldwegen sind die Besonderheit dieser Strecke. Die beiden toskanischen Regionen Lunigiana und Garfagnana sind von kleinen Dörfern auf Bergketten durchzogen. Die Dörfer wurden hoch oben auf den Berg gebaut, weil es im Tal Moskitos gab, die Malaria übertrugen. Die Mücken sind immer noch da, Die Malaria nicht.

Via del Volto Santo – erster Tag
Via del Volto Santo – der Weg wird freigeschnitten

Nino hat uns schon am ersten Tag für den Rest der Strecke seine Heckenschere geschenkt. Das war auch dringend notwendig, denn die Brombeeren wachsen uns fast in den Mund. Anfangs war der Weg nur in Bodennähe zugewuchert, dann aber insbesondere in den Hohlwegen kamen die dornigen Ranken auch  von oben und wucherten quer über den Weg.

Die Kilometer auf den Etappen sind hier überhaupt kein Maßstab, insbesondere auf den steilen Mulipfaden schaffen wir oft weniger als einen Kilometer die Stunde. Ausnahmsweise sind uns dann mal ein paar Kilometer Teerstraße  ganz angenehm, damit wir überhaupt ankommen.

Bagnone
Via del Volto Santo – zweiter Tag

Hier konnten wir unsere müden Füsse wunderbar kühlen. Das kalte und kristallklare Gebirgswasser war herrlich unterwegs.

Fast die gesamte Strecke verläuft entweder auf alten Mulipfaden oder alten ehemaligen Römerwegen. Allerdings sind die Steine der Römerwege durch die vielen Erdbeben in Italien etwas durcheinander gekullert. Beide sind gleichermaßen schwierig zu gehen, etwas steil, manchmal muss man sich am Gestrüpp hochziehen oder am Hang festhalten oder mit den Wanderstöckern prüfen, ob die Steine fest oder locker sind – insgesamt ist die Strecke ein traumhaft schöner Weg, der einem Märchen entsprungen zu sein scheint.

Die vielen schönen Wege könnten wir gar nicht  alle fotografieren, denn einer ist schöner als das andere.

Olivora
Olivora

In Olivora haben wir ein super Appartment gefunden und konnten  von dort oben auf der Burgruine den Sonnenuntergang  bewundern.

Unsere Etappen:

1. Pontremoli, Arzengio, Ceretoli, Dobbiana, Tarasco, Macerie, Serravalle, Rocca Sillina, Vignola, Posponte

2. Posponte, Biglio, Vico, Montale, Treschietto, Bagnone

3. Bagnone bis hinter Castelione del Terziere –  Valle della Luna – abseits vom Weg (war falsch)

richtig wäre gewesen: Castelione, Corvarola, Saint Rocco, Cassolana, Piccio Verde, Molesana, Monti (in Piccio Verde wäre ein Agriturismo gewesen, den wir nicht kannten und sind deshalb über Valle della Luna gelaufen, um die Etappe zu teilen.

4. Valle della Luna Bio über Castiglione del Terziere, Castello Monti – Azienda Agricola la Miona (da haben wir ein super nettes Gespräch bei einem Expresso gehabt, war leider zu früh am Tag) – Monti

5. Monti, Pontebosio, Olivola

6. Olivola, Saldina, Piano di Collecchia, Moncigoli, Posara, Fivizzano

7. Fivizzano, Certardola, Turlago, Reusa, Vigneta zur Agriturismo Spinofiorito in der Nähe von Vedriano

8. Spinofiorito über Monastero Passioniste in Pieve di Offiano bis Argenga in 1032 Meter Höhe auf dem Campingplatz

Vedriano, Castiglioncello, Poggio di Regnano, Regnano Chiesa – Grenze zwischen Lunigiana und Garfagnana, Argegna

9. Argegna, Giuncugnano, Capoli, Nicciano, San Michele, Piazza al Serchio

10. Pizza al Serchio, San Donnino, Verrucole, San Romano di Garfagnana

11. San  Romano, Sillicagnana, Sambuca, Villetta, Pontecosi, Castelnuovo di  Garfagnana

12.  Castelnuovo, Cascio, Gallicano

13. Gallicano, Barga, Pieve di Loppia, Pedona, Ponte All’Ania (Nachbardorf von Fornaci di Barga)

14. Fornaci di Barga, Ponte All’Ania, Piano di Coreglia, Ghivizzano, Piano della Rocca, Cerreto, Pieve di Cerreto, Borgo a Mozzano

15. Borgo a Mozzano, Diecimo, San Donato, Sesto a Moriano, Ponte a Moriano

16. Ponte a Moriano, Lucca

Römerwege

Das Markenzeichen der Römerwege ist der Mittelstreifen aus Feldsteinen. Die meisten Mittelsteine sind allerdings kaum noch erkennbar.

Dörfer unterwegs

Die kleinen Dörfer haben manchmal nur 30 Einwohner. Die Straßen hinauf sind steil und eng, ein Smart kommt gerade mal durch die Gassen. Die alten Torbögen führen über die Dorfstrassen und oben drüber ist oft noch ein Zimmer.

Wenn kein Dorf oben auf dem Berg ist, dann ein Castello. Wir haben schon viele davon gesehen und sind durch einige Castellos durchgelaufen. Die mittelalterlichen Burgdörfer scheinen in der Zeit stehen geblieben zu sein. Das Strassenpflaster ist oft ebenso alt wie die alten Mauern. Die kleinen Häuser scheinen sich der Steigung anzupassen, die verwinkelten Gassen bieten uns leider trotzdem kein Schatten, denn meistens steht die Sonne zu hoch, wenn wir in ein Dorf kommen.

Die Landflucht ist auch hier in der Toscana angekommen. Insbesondere in den alten malerischen Bergdörfern sehen wir viele Häuser,  an denen „zu verkaufen“ steht.

Unterwegs treffen wir immer wieder mal rot weisse Streifen vom Weitwanderweg und in der Region Garfagnana kamen die Buchstaben GT hinzu. Irgendwann fanden wir die Erklärung für die Abkürzung.

Via del Volto Santo – blaue Markierung

Unser Weg hat eine blaue Markierung. Manchmal trifft oder begleitet er einen Weitwanderweg in rot weiss. Dann erinnert er an die französische Flagge. Bei uns steht manchmal in blau VS für Volto Santo.

Hohlwege – Tina krabbelt gerade aus einem raus

Falls gerade mal keine Hohlwege oder Mulitracks unter unseren Füßen sind, genießen wir die wunderschöne Aussicht auf die Berge. Der Gebirgszug Appenin verläuft direkt neben uns.

Auf dem Weg zum Campingplatz in Argegna
Campingplatz Argegna auf 1032 m Höhe

Trotz der Höhe war es nachts noch schön mollig warm. Hier treffen wir auf Schilder von den Cammini di Santiago. Mehr Infos darüber konnte ich über die Wegstecken  der Jakobswege in Italien allerdings nicht finden. Die Unterkunft im Agriturismo Spinofiorito hat ein Schild von den Cammini d’Europa neben der Tür, ist aber trotzdem keine Pilgerherberge.

Rasenmäher auf dem Campingplatz

Die Campingplatzbetreiber haben keine Zeit, die Rasenflächen selbst zu pflegen und haben sich einen Gehilfen geholt. Der war ganz schön fleißig.

Schlucht in Garfagnana

Da kommt man nicht runter. Nur Kanufahrer haben die Gelegenheit, sich die Schlucht von unten anzusehen.

San Nicolao
Kläffende Hunde
Mittelalterliche Brücke in San Michele

Noch beeindruckender als die Brücke war allerdings das Dorf selbst. Wir haben uns von dem Zauber dort derart verführen lassen, dass wir mindestens 800 Meter steil bergauf in die falsche Richtung gelaufen sind. Leider führt unser Weg weder über die Brücke noch durch das Dorf, sondern biegt VORHER ab

Piazza al Serchio
Fortrezza della Verrucole
Ritter auf der Fortezza
In der Küche auf der Fortezza
San Romano

Noch schöner als die Wege sind allerdings die reifen Feigen, die wir unterwegs von den Bäumen pflücken und sofort aufessen. Einkehrmöglichkeiten gibt es allerdings wenig.

Eidechse

Normalerweise sind sie sofort weg, sobald man sie entdeckt. Diese scheint krank zu sein.

Pontecosi
Castelnuovo

Leider gibt es zu wenig Campingplätze und noch weniger Pilgerherbergen. Dafür war das Hotel in Castelnuovo ein ganz besonderes. Wir mussten ins erste Untergeschoss gehen, um im vierten Obergeschoss anzukommen. Wir betraten das Hotel quasi vom Dachboden aus, denn es war dem Hang hinauf gebaut. Das Gebäude kuschelte sich mit der Vorderseite an den Berg und wir hatten vom Zimmer aus einen herrlichen Blick über die Stadt. Wir waren froh, dort nicht auf dem Campingplatz gelandet zu sein, denn es gab Gewitter.

Am nächsten Tag hüllten die Wolken die Berge im dichten Nebel. Wir haben den Weg wieder einmal im Wald verloren und sind bis Cascio auf der Landstraße gelaufen. Das war auch gut so, der Regenponcho hätte sich doch nur im Gestrüpp verfangen.

Das Gewitter zwischen Castelnuovo und Gallicano hat uns daran gehindert, Fotos zu machen. Dafür hat der Serchio wieder Wasser.

Der Serchio

Zwischen Gallicano und Fornaci di Barga bekommt die Strecke von mir die denkbar schlechteste Bewertung, die es gibt. Ein kleiner Trampelpfad zweigt von der stark befahrenen Hauptstraße ab und wir mussten wieder die Heckenschere auspacken. Ausserdem fehlten bald die blauen Wegmarkierungen. So entschieden wir uns für die Landstraße. Zudem liegt Barga weit ausserhalb der Wegführung. Fornaci ist gerade mal zwei Kilometer von Gallicano entfernt. Zu guter Letzt übermalen die Vereine vor Ort für ihre eigenen Sport- und Eventveranstaltungen die Wegmarkierung sogar in der gleichen Farbe, so dass wir im Kreis gelaufen sind und wieder einmal die stark befahrene Landstrasse unter die Füße nahmen.  Nach  der Erfahrung hätten wir uns in Gallicano für zwei Nächte einquartieren sollen und bräuchten dann den Rucksack nicht erst den Berg raufzuschleppen und anschließend wieder runter. Trotzdem: Barga lohnt sich wirklich. Die kleine Stadt wird von Künstlern bevölkert und bietet einen malerischen Anblick. Ausserdem habe ich dort das erste mal Alabasterfenster gesehen. Und Fornaci hat sich wegen den besten Spaghetti  alla scoglio gelohnt. So was gibt es nur in Italien.

 

Auf dem Weg nach Barga
Inschrift in Barga
Barga
Spaghetti in Fornaci di Barga
Holy Face Volto Santo in Diecimo
Holy Face
Kurz vor Lucca
In Lucca in der Nähe der Herberge
In Lucca angekommen
Cathedrale in Lucca
Adam und Eva mit der Schlange
Kathedrale in Lucca
Kathedrale in Lucca

Ab Borgo a Mozzano bis Lucca führt der Weg über jede Menge Landstraßen. Und wieder  einmal haben wir die Wegführung verloren. Dank Navi und Dörfer im Buch haben wir aber die Strecke jedes mal wiedergefunden. Mindestens einmal haben wir uns absichtlich für die Landstraße entschieden. Wir wollten nicht schon wieder die Heckenschere auspacken.  Kurz vor Lucca sind wir trotz Wassermangel in den Dornen hängengeblieben, der Weg war komplett überschwemmt. Wir haben das letzte mal den Blick auf die apuanischen Alpen genossen. Kurz vor Lucca gibt es kaum noch Unterkünfte, wir haben die Etappe aber mit Hilfe der italienischen Bahn trenitalia aufteilen können. So konnten wir die letzten Kilometer ohne schweren Rucksack laufen.

Zum Essen in Italien: Mir war schon vorher bekannt, dass italienisches Eis in Italien um einiges besser schmeckt als in italienischen Eisdielen in Deutschland. Neu für mich ist, dass das auch für Ravioli, Spagetti, Calzone und alles andere an italienischen Rezepten gilt. Die Italiener geben offensichtlich an der Grenze ihre einheimischen Rezepte ab. Wahrscheinlicher aber ist, dass die frischen Gewürzkräuter hier in jedem Garten wachsen. Wir konnten ja sogar Feigen unterwegs vom Baum pflücken und wir würzten unser Wasser mit wilden Kräutern unterwegs. Am letzten Tag konnten wir Passionsfrüchte unterwegs am Strassenrand ernten. Kein Vergleich zu dem Obst, welches wir zur Hause zur Verfügung haben.

Historisches zum Weg

Pontremoli

Im Jahr 990 wird in einer Beschreibung der Via Francigena der Ort als Puntremel zum ersten Mal erwähnt. Der Ort war frei und unabhängig, so gab es im Mittelalter ständig Konflikte mit dem Geschlecht der Malespina, welche die Herrschaft übernehmen wollten, aber erst 1650 trat Pontremoli dem Herzogtum Toskana bei.

Um Pontremoli ging es unter anderem schon in den Keltenkriegen (225-222 v.Chr.) gegen die Boier und Insubrer in Oberitalien, sie waren verbündet mit Etruskern und Cenomanen. Dann wieder 200 bis 190 v.Chr., damals ging ihr Hauptort‚ Bologna an die RÖMER.

Kelten und Gallier im Verband hatten sich über ganz Europa ausgebreitet. Die Stelen sind nicht nur nur in Britannien (Irland, Wales) und der Bretagne zu finden, sondern ebenso in Gallicien / Nordspanien und in Südfrankreich, Pau, Pyrenäen. Sie waren damals um das gesamte Mittelmeer und an den Küsten Spaniens, Portugals und Frankreichs sondern auch am Ostrand des Mittelmeeres und in Oberägypten verbreitet.  Deutlich wir dieses noch heute durch die Verbreitung ihrer Kulturrelikte wie z.B. die Menhire und Stelen.

Das Museo delle Statue Stele in Pontremoli im Castelo del Pignario (Stelenmuseum) zeigt Stelenmenhire aus der Lunigiana, z.B. weibliche Statuenmenhire und keltische Stein-Skulpturen. Die Castros sind älter als die keltische Kultur, aber sie blieben die Wohn- und Verteidigungsform auch bei den Kelten, sie entstanden etwa im 7. Jh.v.Chr. (Costr-Kultur) in der Eisenzeit.

Nach der Niederlage gegen die Römer verlor die keltische Kultur auf dem Festland an Bedeutung, hielt sich aber in Irland bis in das 10. Jh.n.Chr.

Pontremoli muß zu keltischer Zeit am Magra gelegen haben und ein wichtiger Handelsknotenpunkt gewesen sein. Die Kelten bauten vor allem Erz und Salz ab und betrieben damit Handel im Mittelmeerraum und in den den westeuropäischen Küstenregionen. Dennoch war die Via Francigena war ein Landhandelsweg, der von dem Umschlagplatz aus sowohl nach Norden als auch nach Süden über Land regen Handel aufrecht erhielt. Auffallend sind die vielen sogenannten römischen Bogenbrücken, die in Lunigiana und Garfagnana noch heute über Bäche führen. Die Wege dorthin sind oft gar nicht mehr zugänglich.

Bagnone

Bagnone hat heute ca. 2000 Einwohner, um 1920 waren es noch über 7.000, also sehr deutlich rückläufig.

Es ist ein Ort am Parco Nationale del Appenino in der Tosca-Emiliano, ein Ort sehenswürdiger Architektur sowohl im zivilen als auch im kirchlichen Bereich. Es liegt an einem reißenden Gebirgsbach, einem Nebenfluss des Magra. Der Fluss gräbt sich sein Bett mit vielen kaskadenartigen Wasserfällen durch die Felsen, er ist ein Paradies für Sportfischer.

Das Gebiet wurde schon zur Steinzeit besiedelt, der Fund einer keltischen Stele ist bezeichnend für die bronzezeitlichen Aktivitäten. Schriftlich erwähnt wird der Ort erstmals 963. Das Castell hatte eine Kontrollfunktion für die schon damals berühmte Handelsstrasse Via Francigene.  Um 1351 wird das Geschlecht der Malespina hier ansässig gewesen sein. Später war dann Florenz und die Toscana für die Kontrolle und den Schutz des Weges zuständig.

Das ganze Gebiet ist reich an mittelalterlichen Burgen wie Castello Bagnone, Castello Treschietto und Castelglione del Terziere. Berühmt ist weiterhin das kommunale Theater und die Kirchen San Niccolo, San Leonardo und San Terenzio.

Fivizzano in der Provinz Massa-Carrara und in der Region Toskana

Fivizzano hat fast 8.000 Einwohner, im letzten Jahr gab es dort neun bemerkenswerte Erdbeben, der Schaden war jedesmal sehr groß, da bisher noch viele Gebäude in Lusiginana und Garfagnana nicht den Erdbeben-Sicherheitsvorschriften entsprechen, dies betrifft natürlich ganz besonders die mittelalterlichen Gebäude in den Ortskernen.

In der Region ist besonders sehenswert:

  • der mittelalterliche Ortskern in Fivizzano
  • die Chiesa dei Stanti Jacope e Antonio von 1377
  • das Castello della Verrucola, die nördlich von Fivizzano gelegene Burg, eine milirärisch mittelalterliche Kontrollanlage
  • Pieve de San Paolo di Vendaso, erstmals erwähnt 1148
  • die Chiesa di Santa Maria Assunta di Pognano, Kirche im OT Pognano ebenfalls 1148 erwähnt.

Seit dem Mittelalter unterstand der Ort der Malaspina-Familie, erst 1477 kam er in die Kontrolle von Florenz, daraufhin wurde die Stadtmauer errichtet.

Piazza al Serchio

Der Ort ist eine sehr alte Gründung. Der Name besagt, daß es ein Markt am Fluss Serchio und an einer Handelsstraße lag. Die Gemeinde hat heute 2.500 Einwohner und liegt auf einer Höhenlage von bis zu 536 Metern auf felsigem Gelände. Die alten Orte San Miguele und San Donino sind eingemeindet, sie sind ebenso sehenswert und romantisch mit ihren alten Kirchen und Burgen und der mittelalterlichen Brücke über den Serchio. San Donino steht auf einem ehemaligen vulkanischen Felsen. Die Eisenbahnlinie von Lucca nach Aulla hat in dem Ort Piazza al Serchio nicht nur eine Bahnstation, vor einem Tunnelteil – der nicht mehr genutzt wird – steht eine Dampflok als Denkmal unterhalb der Felsen auf denen die alte Burg einst der Verteidigung des Ortes und der Überwachung von Handel und Verkehr diente. Heute Ruine muss sie einst riesige Ausmaße gehabt haben. Mit einer mehrbogigen, stark überhöhten mittelalterlichen Brücke überquert die alte Handelsstraße noch heute den Fluss.

San Frediano ist eine fünfschiffige Basilika, erbaut zwischen 1112 und 1147 in südromanischem Baustil. Dieser ist insbesondere bezogen auf die Türme grundverschieden von der Nord- und westeuropäischen Romanik und kommt in der charakteristischen Gestaltung der Türme  zum Ausdruck: wie Schachteln gestapelt werden die zumeist gleichartigen oft auch gleichhohen Geschoßkuben übereinander gestapelt. Auf diese Weise entstehen monumentale Türme mit Glocken und Zinnenbekrönung – die Glocken schwingen oft bis weit aus den Schallöffnungen hinaus  -, wenn sie schlagen. Die Kuben mit oft prachtvoller ausgewogener vertikaler Gliederung der Wandflächen, mit wohlproportionierten Öffnungen und Blendarkaden werden  mit geschoßaufteilenden Bogenfriesen geteilt (z.B. auch in Diecimo). Bei anderen Türmen sind die unteren Geschosse manchmal völlig ungegliedert  (z.B. in Olivola) und nur durch schmale Schlitze im Mauerwerk geöffnet. Die obersten Geschosse und immer die Glockenstuhlgeschosse haben größere, meist gekuppelte Öffnungen (Schallarkaden). Die vertikalen Verbindungen der Kuben  sind durch Ecklisenen betont, die meist vom Sockel bis zur Zinnenbekrönung durchlaufen.

RECHERCHE VORHER

Linksammlung

Meine Füße sind durch die Trainingstouren schon viel zu strapaziert, daher habe ich die Etappen soweit wie möglich halbiert, manchmal liegen keine 10 Kilometer zwischen den beiden Etappen, insbesondere dann, wenn die Unterkünfte bezahlbar sind und anschließende Streckenabschnitte nur teuere Unterkünfte haben. Vorerst habe ich mir hier alle Optionen aufgeschrieben, ob ich sie nutze, ist dann egal.

Anreise mit dem Zug über Florenz – Ankunft in Pontremoli gegen Mittag – zu klären ist noch, ob wir in Pontremoli ein Hotelzimmer buchen oder die ersten 10 km gleich los laufen. Ein Blick in die wikipedia zeigt „Zimmer suchen“

Erster Wandertag

1. Etappe  laut Buch:  Pontremoli bis Bagnore 34 km – erste Übernachtungsmöglichkeit ist nach 10,9 km im Agriturismo  Podere Conti (ewas abseits vom Weg), ob wir dort unser Zelt aufbauen dürfen, ist allerdings noch nicht klar, Die dazugehörige Internetseite hat Preise ab 150 Euro. Bis Posponte sind es dann noch 4,3 km.

zweiter Wandertag
Die nächste Etappe hat zwei Varianten – laut Karte ist die Strecke über Biglio für Wanderer. Bis zu meinem nächsten Eintrag in der Karte sind es 10,7 km

  • Giunasco Fattoria, allerdings geht es zwischen 460 und 780 Höhenmeter immer rauf und wieder runter.

Nach weiteren 2,1 km sind wir dann in Bagnone.  Übernachtung im Hotel gem. Buch zwischen 50 und 75 Euro pro Kopf. 

  • der nächste Eintrag auf der Karte ist nach 5,2 km das Castello di Castiglione del Terziere,  allerdings ohne Unterkunft oder Gastronomie.
  • der nächste Eintrag auf der Karte ist nach 3,3 km Agriturismo la valle della luna bio. LEIDER GIBT ES DEN WEG NACH VALLE DELLA LUNA NICHT MEHR. Der Weg ist total zugewuchert und es liegen überwucherte abgestorbene Bäume im Hohlweg.

2. Etappe laut Buch  – Bagnone bis Monti 24 km 

  • Die nächste ideale Unterkunft ist dann direkt am Weg Azienda Agricola La Miona,  über das  Gelände der Azienda führt der ehemalige ursprüngliche Weg über eine alte Römerbrücke. Leider wird der Weg auch nicht mehr gepflegt und steht auch nicht in der Reisebeschreibung. Ganz in der Nähe ist ein Bauernhof mit Camping-Platz AgriCamping l’Ulivetta

Azienda Agricola bis Pontebosio, Monti – Unterkünfte wären laut Buch B&B oder Hotel zwischen 30 und 75 Euro pro Kopf

4 Monti bis Fivizzano 16,5 km

etwa auf halber Strecke gibt direkt am Weg ein Agriturismo diekt am Weg in Olivora. In Fivizzano ist dann eine klassische Pilgerherberge.

5. te Etappe laut Buch Fivizzano bis Argegna 26 km

  • die nächste gute und günstige Übernachtung ist der Campingplatz in Argegna

6.te Etappe laut Buch  Argegna bis Piazza al Serchio 11 km – ist mit „schwierig“ gekennzeichnet

7te Etappe laut Buch von Piazza al Serchio bis Castelnuovo 21 km –

8te Etappe laut Buch Castelnuovo bis Barga 27 km

9te Etappe laut Buch Barga bis Borgo a Mozzano 21 km –

10te Etappe für uns Barga bis Mozzano – Übernachtung laut Buch im Convento -Pilgerherberge

10.te Etappe laut Buch  Borgo a Mozzano bis Lucca 28 km – (läßt sich leider nicht halbieren, aber es gibt Bahnhöfe an der daneben verlaufenden Zugstrecke).

Derzeit steht mein Info-Sammelsorium auf google zur Via del Volto Santo.

Italienische Pilgerwege sind längst nicht so überlaufen wie die Jakobswege Richtung Santiago de Compostela. Die Via del Volto Santo führt wie oben beschrieben nach Lucca und wird auch Holy Face genannt. In der Karte sind bereits potentielle nicht überprüfte Übernachtungsmöglichkeiten markiert, um die oben aufgezählten Etappen zwischen etwas anders zu gestalten.

Die schwierigen Etappen befinden sich zu Beginn der Strecke. Der Weg wird mit jeder Etappe etwas einfacher. Mindestens die ersten 2/3 führen durch bergiges Gelände und ich bevorzuge dann vorsichtshalber vernünftige feste Wanderschuhe mit Knöchelschutz. Auf den letzten zwei  Etappen vor Lucca häufen sich auch etliche geteerte landwirtschaftlich genutzte Wege.

Zwei Wochen Urlaub reichen aus, jeweils noch einen Tag für die An- und Abreise.

Der Weg Via del Volto Santo durchkreuzt Teile des Gebirgszuges Appenin und schließt in Pontremoli an die Via degli Abati an, die Bobbio mit Pontremoli verbindet. Die Via del Volto Santo führt nach Lucca, diese Stadt wurde seit dem Jahr 752 von Pilgern besucht.

Frühjahr und Herbst sind die besten Jahreszeiten. Die Via del Volto Santo hat 9 bis 10 Tagesetappen, die erste Tagesetappe ist in Posponte teilbar, die dortige Kirchengemeinde bietet eine Übernachtungsmöglichkeit mit Isomatte und Schlafsack. Schlafsack, Isomatte und Lebensmittel sollte man sowieso mitführen, da die Region relativ dünn besiedelt ist und wenig Gastronomiebetriebe vor Ort sind. Der Startpunkt Pontremoli läßt sich gut mit dem Zug erreichen, dort hat man Anschluß an die Hauptstrecke der Via Francigena Richtung Rom. Die Via del Volto Santo gilt als einfach und hat keine nennenswerten Höhenunterschiede, einige wenige kurze Strecken verlaufen an stark befahrenen Straßen. Bei Regen können allerdings einige Etappen rutschig werden.

Die Strecke verläuft durch die Provinz „Massa Carrara“, die ein nordwestlicher Teil der Toscana ist. Die Provinz Massa Carrara liegt zwischen Ligurien und den apuanischen Alpen im Osten. Weite Teile führen durch Naturschutzgebiete, die unter besonderem Schutz der EU stehen. Die Strecke verläuft außerdem durch die Region Garfagnana, die zur Provinz Lucca gehört. Bekannt ist die Region wegen der Magnolienblüte im Frühjahr.

Meine Fotodoku auf blogspot

Nachtrag: der Track stimmt nicht überein mit der Ausschilderung. Für die Planung und zur Orientierung reicht er aber aus.

An- und Abreise war über Florenz (Firenze). Eine Fotodokumentation einschließlich Fiesole konnte ich mir nicht verkneifen. Dabei sind wir dann auf die Via degli dei gestoßen. Der Weg wird auch Götterweg genannt.

Das Team der Via Scandinavica

Da wir die Strecke einmal im Jahr kontrollieren und fehlende Wegmarkierungen ergänzen, suchen wir immer wieder kompetente Jakobspilger, die uns gerne auf unseren Strecken begleiten, insbesondere die Via Scandinavica hat momentan einiges an Unterstützung nötig. Wir legen Wert auf eine gute Einweisung der Beschilderung – wanderfreudige Jakobspilger, die gerne mitmachen möchten können sich auf der Internetseite http://chemindecompostelle.de/Pilgerkontakte-und-Termine/ bei uns melden.

Die Beschilderung kann nur gut genug sein, wenn wir mindestens alle 170 Kilometer eine Kontaktperson haben, die über aktuelle Ortskenntnisse und Besonderheiten verfügt und nah genug in der Region ansässig ist, um möglichst kurze Anfahrtswege zu haben. Während der jährlichen Kontrolle wird die Wegbeschilderung ausgebessert, neue interessante Orte werden in die Wegbeschreibung mit aufgenommen. Manchmal sind wir auch Ansprechpartner für Pilger, die unterwegs sind. Unterstützung brauchen allerdings nur selten Pilger, die dann in der Regel in Trondheim starten.

 

 

Rundwanderung auf der Via Baltica Alternativstrecke Lilienthal alt und neu

Der Frühling ist da und überall blüht und sprießt es in Massen. Diese Rundtour teils auf der Via Baltica ist mit 15 Kilometern ideal mit Rastmöglichkeit in Ebbensiek und Lilienthal. Nur die Strecke Am Großen Moordamm ist nicht gerade fußgängerfreundlich, dafür gibt es viele viele hübsche Häuser und Vorgärten. Ein Abzweig in die Borgfelder Wümmewiesen wäre möglich, dadurch verlängert sich aber die Tour um etwa 4 Kilometer, uns war das zu weit. Die Strecke hat Anschluß an Endhaltestelle der Straßenbahnlinie 4. Hier der Link zum gps-track

Rundwanderung auf der Via Baltica von Nartauen nach Otterstedt am 01.04.2017

Die Strecke ab Nartauen an der Landstraße entlang bis Otterstedt ist eher für Radfahrer, Fußpilger haben es besser auf dem Abzweig zum Otterstedter See – Postorensee. Von dort ist es leicht, zum Gemeindehaus in Otterstedt und zur Pilgerunterkunft diekt am Weg zu kommen. Außerdem bietet der Campingplatz einen Zeltplatz an. Dort ist auch die einzige Möglichkeit, eine anständige Malzeit zu bekommen. Bei der Gelegenheit habe ich den gps-Track mit aufgenommen. Leider habe ich mal wieder die Kamera verstellt, hoffentlich passiert mir das nicht im Urlaub.

Via Baltica von Zeven bis Otterstedt und zum Ottersberger Bahnhof 18.03.2017

Die heutige Tour war mega anstrengend, immerhin waren das fast 30 Kilometer. Bei Nartauen bin ich dann auf die Alternativstrecke ausgewichen, weil ich ja nicht zur Pilgerherberge will, dafür konnte ich eine Tasse Kaffee und ein Stück Torte am Pastorensee genießen, das war auf der ganzen Strecke die erste Einkehrmöglichkeit. Die Strecke zwischen Benkel und Nartauen war total nervig, weil es auf der Landstraße ohne Fußweg entlang geht. Demnächst gehe ich auf Suche, ob es eine bessere Alternative gibt. Dafür war die Alternativstrecke ab dem Otterstedter See oder besser Pastorensee fast asphaltfrei, umso nerviger war die nagelneue Teerstraße, die zum Kreuzbuchen führt – so heißt der Wald zwischen Ottersberg und Otterstedt, durch den die Alternativstrecke führt. Leider haben mich bei Benkel meine Batterien des gps-Gerätes verlassen, der Abzweig Richtung Otterstedter Alternativstrecke ist gerade noch so auf dem Track. Insgesamt war das also nicht so ein erfolgreicher Tag, nur die Heckenschere hat mehr oder weniger ihre Arbeit getan, die Bäume und Laternenpfosten von dem Wildwuchs der Büsche zu befreien.

Auch hat mich meine Sprühfarbe verlassen, nachdem der Wind mir morgens die Farbe fast ins Gesicht geweht hatte, war die Flasche ungefähr bei Winkeldorf leer und die Ersatzflasche hatte von Anfang an ihren Geist aufgegeben. Sprühfarbe ist also nicht das ideale Material, eine Wegkennzeichnung anzubringen. Wer eine umweltfreundliche und wetterfeste Alternative kennt, darf gerne kommentieren. Jetzt bin ich erstmal total groggy, mal sehen ob ich bei den Wanderern bleibe oder zu den Schwimmern gehe – das hängt davon ab, wie lange meine Füße brauchen, um sich zu erholen.

Camino Aragonés GR 653

Der miam miam dodo gehört zu den französischen Bestsellern der Wanderwege. Der Voie d’Arles ab Arles durchquert Toulouse und hat daher als zweiten Namen Via Tolosana. Der als GR 653 gekennzeichnete Weg schließt an den Camino Aragonés an. Mein damaliger Reiseführer vom Conrad-Stein-Verlag hatte noch diese Variante in der Reisebeschreibung enthalten, heute gibt der Verlag eine pdf-Version heraus.

Unser Reiseblog vom Camino Aragonés ist noch teilweise auf blogspot.

Camino Aragonés

 

Wümmewiesen und Hollerland

Es ist wieder soweit – es regnet in Strömen und die Wümme tritt über ihre Ufer. Das Holler Land gehört zum Schutzgebiet der Wümme. Dieser Landstrich hat seinen Namen, weil die Wasserschutzmaßnahmen aus Holland importiert wurden. Die sieben Bauernsöhne „die Sieben Faulen“  sind in der Historie Bremens bekannt, weil sie diese Neuerung der Landschaftskorrektur hier erstmals bekannt machten. Allerdings ist diese Seite Bremens weitläufig davon verschont geblieben.

Jedes Jahr warten wir ab Mitte Januar auf Hochwasser in den Wümmewiesen. Als wir noch Kinder waren, konnten wir zwischen Borgfeld und Fischerhude die Wümmewiesen auf Schlittschuhen überqueren. So manchen Winter warteten wir auf die kältesten und frostigesten Wintertage, damit wir das Abenteuer in Angriff nehmen konnten, leider ist es schon lange nicht mehr kalt genug für eine derartige Aktion gewesen. Dafür haben wir jetzt im Frühjahr riesige Überschwemmungsflächen neben dem Wümmedeich, die Via Baltica führt auf der Hauptstrecke zwischen Fischerhude und Borgfeld genau auf dieses dieses Überschwemmungsgebiet zu. Zahlreiche Fotografen warten jedes Jahr auf diese letzten Winterwochen, in denen der Boden noch zu kalt ist um die großen Wassermassen aufzunehmen.

Bremen hat deshalb seit dem Mittelalter eine besondere Deichverordnung, die erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt wird. Der Wümmedeich ist ein Musterbeispiel für naturnahe Überschwemmungsgebiete, der NABU wurde extra gegründet, um dieses Gebiet unter besonderen Schutz zu stellen. Dadurch sind die Wümmeniederungen heute ein beliebtes Brutgebiet für Zugvögel. Besonders jetzt machen hier zahlreiche Schwäne Station und nisten sich häuslich ein. Hunde unbedingt an der Leine zu führen!

Dieses Überschwemmungegebiet reichte im Mittelalter bis Fischerhude und darüber hinaus. Besonders Fischerhude war bis weit in das letzte Jahrhundert jedes Jahr von den Wassermassen stark betroffen, die Aale konnten direkt in den Kochtopf der Hausfrau schwimmen und wurden insbesondere im 19. Jahrhundert von Bisamratten begleitet.  Erst massive landschaftliche Maßnahmen in den 1960er Jahren machten es möglich, daß auch Fischerhude im Winter trockene Wohnzimmer hatte.

Etwas weiter Wümme abwärts Richtung Weser baute man zu diesem Zweck zuerst eine Warft – ein sehr hoher von Hand aufgeschütteter Erdhügel, auf welchen anschließend das Bauernhaus gesetzt wurde. Heute stehen noch einige dieser Resthöfe in der Region, der Radfernweg und Pilgerweg Mönchsweg führt an einigen dieser Höfe vorbei.

Dieses Wümmeschutzgebiet hat zwischen Rotenburg und Ritterhude fast auf der gesamten Strecke auf beiden Seiten fünf Kilometer Schutzraum, der nicht bebaut werden darf, eher kommen neue Schutzgebiete hinzu. Wenn der Wasserstand der Wümme zu hoch wird und so die anliegenden Städte gefährdet, wird der Deich aufgebrochen. Das Wasser wird in diese Überschwemmungsgebiete abgeleitet.

Der Deichschutz hat rund um Bremen eine besondere Bewandnis. Reittiere dürfen nicht auf den Deich, denn ihre Hufe machen die Deichkrone kaputt. Eigens zum Schutz der Deiche hat Bremen einen Deichverband, welcher für die Instandhaltung und so für trockene Füße in der Stadt und den umliegenden Dörfern sorgt. Wasserschäden der Wümme sind in den Dörfern teuer und lästig, deshalb reagieren Ortsansässige allergisch, wenn jemand den Deichschutz verletzt, etwa Heringe eines Zeltes in den Boden drückt, Löcher buddelt oder ähnliche Deichschäden verursacht. Der Bremer Deichverband stellt sofort Strafanzeige und läßt sich den Schaden teuer bezahlen.

Wir Wanderer müssen in diesen Wochen mit nassen Füßen rechnen und bekommen dafür fantastische Panoramafotos. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, daß die Wassermassen von oben und von unten auf uns zuströmen, meißtens schauen aber die Wege noch gerade so aus dem Wasser heraus – ob man sie noch sieht ist eine andere Sache.

Visbeker Braut und Bräutigam

Die Großsteingräber in der Wildeshauser Geest haben mehrere Geschichten und Volkssagen hervorgebracht. Aus dem 18. Jahrhundert stammt die Sage von Braut und Bräutigam.

Inmitten der Ahlhorner Heide lag in alter Zeit ein großer Bauernhof. Der Besitzer war stolz und habgierig und hätte seine einzige Tochter gern mit einem reichen Bauernsohn aus der Umgebung verheiratet. Aber das Mädchen liebte einen anderen, der ihr Jugendgefährte gewesen war. Der hartherzige Vater kümmerte sich nicht um die Wünsche seiner Tochter und setzte gegen ihren Willen den Hochzeitstag fest.

Am Hochzeitsmorgen bewegte sich ein Zug festlich gekleideter Menschen über die Heide auf Visbek zu. Voran schritt die geschmückte Braut mit ihren Eltern, dahinder das Gefolge der Verwandten und Nachbarn. Die Braut war totenblaß, in ihren Augen standen Tränen. Immer näher kamen sie dem Dorf, die Glocken von Visbek waren schon zu hören. Da richtete sich das Mädchen in ihrer Verzweiflung ihre Blicke gen Himmel und rief flehend: „Hilf, o Gott! Lieber will ich auf der Stelle zu Stein werden, als einem Mann gehören den ich nicht lieben kann!“

Kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, da erstarrte der Brautzug. Wo eben noch Menschen von Fleisch und Blut ihres Weges zogen, erhoben sich nun mächtige Steine in zwei Reihen nebeneinander. Der Myrthenkranz, die Blumen und Bänder verwandelten sich in graue Flechten und Moose. Auch der Zug des Bräutigams erlitt das gleiche Schicksal und erstarrte zu Stein. Die mächtigen Findlinge dort geben davon Kunde.

Die erste Fassung dieser Sage wurde 1811 in Form eines Gedichtes veröffentlicht.

Desweiteren werden die Großsteingräber in Niedersachsen mit dem Frankenkönig Karl den Großen, dem König der Riesen Surbold und dem Sachsenkönig Widuking in Verbindung gebracht. Widukind wurde von den Franken geschlagen und 783 in einem Großsteingrab begraben, allerdings nicht in dieser Grabanlage auf der Via Baltica, sondern in der heutigen Gemeinde Belm in der Nähe von Rulle kurz vor Osnabrück.

Quelle: Großsteingräber zwischen Weser und Ems, Isensee Verlag Oldenburg

Via Scandinavica

Waymarked Trails auf openstreetmap

interaktive Karte der Jakobswege in Norddeutschland auf Google MyMaps

Zubringerweg ist Santiago ruten Vordingborg-Rødby Færgehavn

Via Scandinavica auf Fehmarn
Limeswall auf der Via Scandinavica

 

weitere Anschlusswege sind die Brigittawägen in Schweden

und SantiagorutenVordingborg-Rødby Færgehavn

Die Eröffnungswanderung der Via Scandinavica 2010 war ein zündendes Erlebnis, dem Jakobsweg endgültig treu zu bleiben. Unsere Fotodokumentation der Via Scandinavica steht auch auf blogspot und wird immer mal wieder zu meinen Heimatstrecken an irgend einem Frühjahrswochenende. Jakobswege sind Teamarbeit von Pilgern für Pilger, es sein denn der Weg wurde durch eine Tourismusorganisation gegründet und wird von dort unterstützt – das ist in der Regel nicht der Fall, denn die guten Jakobswege brauchen jährliche Pflege. und daher mein Artikel:  unser Team braucht Unterstützung. . .

Unser Eintrag auf google zur Via Scandinavica

Waymarked Trails auf openstreetmap

und unsere Fotodoku zur Via Scandinavica auf blogspot

Fehmarnbelt bis Burg 14,3 km
Burg bis Fehmarnsund 11,9 km
Fehmarnsundbrücke bis Süssau 21 km
Süssau bis Cismar 12,2 km
Cismar Neustadt in Holstein 23,3 km
Neustadt in Holstein bis Bad Schwartau 29,6 km
Bad Schwartau bis Lübeck
(Anschluss an die Via Baltica und die Via Jutlandica) 6,6 km
Lübeck bis Krummesse bis 13,7
Krummesse bis Berkenthin 5,9 km
Berkenthin bis Kulpin 5,6 km
Kulpin bis Ratzeburg 5,4 km
Ratzeburg bis Marienwohlde 10,6 km
Marienwohlde bis Mölln 3,2 km
Mölln bis Hornbeck 9,9 km
Hornbek bis Roseburg 4,4 km
Roseburg bis Büchen 8,2 km
Büchen bis Lauenburg 22,2 km
Lauenburg bis Artlenburg 6,1 km
Artlenburg bis St.Dionys 12,4 km
St. Dionys bis Bardowick 4,9 km
Bardowick bis Lüneburg 6,9 km
Deutsch Evern bis Bienenbüttel 16,7 km
Bienenbüttel bis Medingen 11,6 km
Seedorf bis Hohen Bünstorf 8,5 km
Hohen Bünstorf bis Ebstorf 7 km
Ebstorf bis Melzingen 5,4 km
Melzingen bis Gerdau 5,1 km
Gerdau bis Suderburg 10,8 km
Suderburg bis Hösseringen 6,2 km
Hösseringen bis Eschede (Anschluss an den Heideweg) 21,7 km
Eschede bis Altencelle 32,5 km
Altencelle bis Engensen 19,5 km
Engensen bis Hannover 23,9 km
Hannover bis Sarstedt 23,1 km
Sarstedt bis Himmelsthür 11,7 km
Himmelsthür bis Hildesheim 3,1 km
(Kreuzung Braunschweiger Jakobsweg)
Hildesheim bis Diekholzen 7,8 km
Diekholzen bis Eberholzen 8,5 km
Wrisbergholzen/Wernershöhe 6,0 km Irmenseul (Abzweig) 6,0 km
Kreuzung Pilgerweg Loccum – Volkenroda

(Burkardhöhe Abzweig Alternative Lamspringe)
Eberholzen bis Winzenburg (Kreuzung E11) 18 km
Winzenburg bis Clus 11 km
Clus bis Bad Gandersheim (Kreuzung E11 und Abzweig Roswita-Weg) 3,1 km
Bad Gandersheim bis Kalefeld 10,4 km
Kalefeld bis Eboldshausen 3,9 km
Eboldshausen bis Northeim 11,3 km
Northeim bis Göttingen 27,9 km
Göttingen bis Reinhausen 9,4 km
Reinhausen bis Lichtenhagen 6,9 km
Lichtenhagen bis Kreuzung Pilgerweg Loccum-Volkenroda 4,9 km
Kreuzung bis Bornhagen 8,8 km
Bornhagen bis Wahlhausen7,3 km
Wahlhausen bis Kella 17,1 km
Kella bis Treffurt23,1 km
Treffurt bis Creuzburg (Kreuzung Elisabethpfad) 14,7 km
Creuzburg bis Eisenach 16,4 km
Gesamtstrecke 655,6 km

Anschluss an die Via Regia

Nach 37,5 km auf der Via Regia schließt sich der Jakobsweg von Vacha nach Fulda an.

Costa da Morte

Die Todesküste Costa da Morte am Atlantischen Ozean im äußersten Westen Galiziens galt im Mittelalter als das Ende der bekannten Welt, sie ist der westlichste Zipfel des europäischen Kontinents. Seit dem zweiten Jahrhundert vor Christus ist das Kap Fisterra (finis terrae)  heidnischer Mythos, insbesondere der Anblick der im Meer untergehenden Sonne rückt diesen Ort in sagenumwobenes Licht. Die Christianisierung und die heidnischen Traditionen werden miteinander verbunden und in die Jakobuswallfahrt mit eingebunden. In der Nähe von Finisterre soll der Ort gelegen haben, in der die Schüler des Jacobus einen Ort zu seiner Bestattung suchten, dort ist dann auch die besagte Brücke eingestürzt, dadurch konnten sie entkommen.

Der Legende nach legte die Jungfrau Maria mit ihrem Steinschiff an der Stelle an, wo sich heute das Sanktuarium von A Barca in Muxía befindet, sie wollte dem Apostel Jakobus Mut für seine Evangelisierung zusprechen. Daraufhin wurde seit dem Mittelalter Muxía in das Streckennetz der Jakobspilger aufgenommen.

Aus dem XIX und XV Jahrhundert gibt es Berichte von Jakobspilgern, die zuerst nach Santiago, dann nach Muxía pilgerten. Die Texte handeln von Resten eines zerstörten Schiffes, welches aus purem Stein war, welches der Jungfrau Maria zugeschrieben wurde. Im 16. Jahrhundert stellte man fest, daß diejenigen, die ohne schwere Sünde seien, die Steine des Bootes mit einem Finger bewegen könnten.

Im Gegensatz zu den anderen Jakobswegen startet diese Route nach Finisterre oder Muxía in Santiago de Compostela. Sie hat 89 bzw. 87 Kilometer. Zwischen Finisterre und Muxía gibt es ebenfalls eine Strecke mit 31 Kilometern, auf dieser Strecke lag die erwähnte zusammengebrochene Brücke. Die Strecken zwischen Santiago de Compostela und Finisterre, zwischen Compostela und Muxía und zwischen Finisterre und Muxía sind beidseitig ausgeschildert, sie lassen sich also in beide Richtungen laufen. Insgesamt bilden diese drei Strecken ein Dreieck auf der Landkarte der Pilgerwege an der Costa da Morte

Quelle: Xunta de Galicia

und weil ich immer noch nicht genug hatte ging es (Weiterleitung zu google blogspot) weiter bis Muxía, dort habe ich dann noch einmal eine Pilgerurkunde bekommen. Auf dieser Strecke hatte Relaxo mich wiedergefunden. Der Hund tanzte begeistert vor Wiedersehensfreude und ich musste ihn auch erst einmal kraulen, bevor ich sein Herrchen begrüßen konnte. Relaxo hatte mich schon vor Santiago das erste mal gefunden, da er aber die großen Städte und Pilgerzentren gar nicht so gern mochte und lieber dort fern blieb umrundeten er und sein zweibeiniges Herrchen Santiago de Compostela.

Weil Relaxo ein Hütehund war, saß er an jeder Ecke und sammelte seine Herdentiere – uns Pilger – zu einem Trupp zusammen, bevor er bereit war weiterzuwandern. Er hatte seinen eigenen Rucksack mit Marschverpflegung samt Wasserflasche, selbstverständlich fehlte auch nicht die Hundetoilette. Er hatte sogar seine eigene Zeckenpinzette.

Wegen seiner kurzen Tagesetappen bedingt durch die langen Wartezeiten an den Abzweigungen und Kurven der Wege habe ich ihn nach Santiago de Compostela und auch nach Finisterre wieder getroffen.

Voie l’Abbaye de Beauport

Voie l'Abbaye de Beauport
Voie l’Abbaye de Beauport
Voie l'Abbaye de Beauport
Voie l’Abbaye de Beauport

Côte du Goëlo, die Region Bróceliande und der Heilige Gral

Unser Weg startet an der bretonischen Küste „Côte du Goëlo“ in Paimpol in der Bucht von Saint-Brieuc direkt beim Abbaye Beauport, welches neben den Resten des mittelalterlichen römischen Hafens „bellus portus“  liegt. Die Römer bauten diesen Hafen um von dort das Salz zu verschiffen, welches auch als „weißes Gold“ bezeichnet wurde. Dort herrscht ein angeblich ein gewaltiger Tidenhub, die Bucht wird bei Ebbe zu einem Rinnsal und so dient der Hafen heute nur noch den Urlaubern, höchstens vielleicht noch Sportfischern, wir hätten hier sehr gut unseren Badeurlaub machen können.

Im Herzen der Bretagne führt der Jakobsweg „La voie l’Abbaye-de-Beauport“ zwischen Josselin und Malestroit vorbei am Rand der Region Bróceliande, die durch die Artus-Sage bekannt geworden ist. Landschaftlich zeichnet sich die Gegend durch Heidelandschaft aus, uns haben aber insbesondere die Wälder und der intensive Geruch nachhaltig beeindruckt. Unser Weg „Voie l’Abbaye de Beauport“ verläßt hinter Rochefort-en-Terre nach etwa 250 Kilometern diese sagenumwobene Gegend.

Voie l'Abbaye de Beauport Rochefort-en-Terre
Voie l’Abbaye de Beauport Rochefort-en-Terre

Erstmals taucht diese Region 1180 im Zusammenhang mit dem Heiligen Gral in einer Legende als „Geschichte des Grals“ auf. Dieser geheimnisvolle Gegenstand ist angeblich der Kelch, in dem das Blut Christi gesammelt wurde. Noch heute gehört symolisch ein Kelch in der christlichen Kirche zum Abendmahl.

Rochefort-en-Terre Jakobus in Malestroit
Rochefort-en-Terre Jakobus in Malestroit

Angeblich kam der Gral nach England, von dort in die Bretagne und dann in das heute spanische Aragonien in das Kloster San Juan de la Peña, welches an einem Treffpunkt des Camino Aragón mit dem Camino Catalán liegt. Heute wird dieser Kelch angeblich in Montserrat sicher verwahrt.

Die Region Bróceliande verweist allerdings nicht auf kirchliche Hintergründe, sondern erinnert an Sagen und Geschichten der Zauberwelt von Merlin. Auch die Artus-Runde, die Artus-Sage spielt hier eine große Rolle. Die Reiter von Rohan tauchen nicht erst bei Tolkien auf, sondern Rohan ist ein historischer Ort an unserem Weg. Lancelot und die Ritter der Tafelrunde, Parzival und Tristan gehören in diese Region und seit dem IV Jahrhundert n. Ch. wird sie immer wieder in etlichen Erzählungen erwähnt. Diese sagenumwobene Gegend ist beliebt bei Schriftstellern, auch wir haben ständig das Gefühl, es könnte gleich eine Elfe oder ein Zwerg über den Weg laufen.

Voie l'Abbaye de Beauport Josselin Duc de Bretagne
Voie l’Abbaye de Beauport Josselin Duc de Bretagne

Insgesamt erinnern viele Orte dieser Gegend an die Fantasiewelt Tolkiens, dazu gehören die Namen der Region Morbihan genauso wie keltische Zeugnisse in Lanleff oder die vergessene Kirche – la chapelle oubliée Sainte Catharine oder in Quintin der Bauernmarkt. Die zahlreichen Ritterfestspiele, welche in den Sommermonaten stattfinden haben wir leider alle verpasst.

Die vielen lichten Wälder mit Moosen und Farnen am Wegesrand und ab und zu Hohlwege wechseln sich mit Wiesenwegen ab. Erst kurz vor Rohan verläuft der Weg oft entlang dem Nantes-Brest-Canal, wird aber durch zahlreiche blumengeschmückte Schleusen etwas erträglicher gestaltet. Der Weg verläßt immer wieder den Kanal und führt in die umliegenden Wälder. Hinter Malestroit verlassen wir die Region von Bróceliande. Leider kommen wir nicht in die Verlegenheit einen der Schätze zu heben, denn wir sind immer noch ca. 30 km Luftlinie von diesem geschichtsträchtigen Ort entfernt, in dem heute noch der Schatz von Merlin in der Nähe von Paimpont verborgen sein soll.

Voie l'Abbaye de Beauport Rochefort-en-Terre
Voie l’Abbaye de Beauport Rochefort-en-Terre

Fest steht allerdings, daß der Historiker und Schriftsteller Tolkien seine Fantasiewelt nicht aus dem Ärmel geschüttelt hat – sie existiert tatsächlich, immerhin haben die Tempelritter hier einen Verwaltungsstützpunkt gehabt und Jacobus soll höchstpersönlich in diesem Landstrich gewesen sein. Er soll einige Zeit hier verbracht haben, wurde uns zumindest erzählt.

Wir haben selten eine Region gefunden, die den Jacobuskult dermaßen aufgesogen hat, weil er so gut zum keltischen Ursprungsglauben passte. Die keltische Kultur konnte sich einfügen und ist dadurch bruchstückhaft über die Jahrhunderte erhalten geblieben. Oft sind alte Granithäuser zu sehen und die ältesten sind meistens Gotteshäuser, in denen mitunter noch keltische Reste zu finden sind. Keltische Kunstwerke wurden in anderen Bauten recyclelt. Aus dem Mittelalter fanden wir wunderschön verzierte Fachwerkhäuser, ganz auffällig waren die figürlichen Darstellungen an Balkenköpfen, Prachtfassaden und Giebeln. Burgen und Schlösser gaben uns zusätzlich das Gefühl auf einer Zeitreise zu sein.

Die für die Bretagne so bekannten Steinsetzungen, Menhire und Dolmen sind an dieser Strecke fast nicht zu finden, dafür haben wir unsere Rast in der Morgendämmerung bei einer der fünf berühmten bretonischen Windmühlen aus dem Mittelalter gemacht.

Malestroit hatte eine weitere Überraschung für uns parat – ein gigantisch großer Schwarm fliegender Ameisen schlüpfte im Gebälk der 300 Jahre alten Schleusenwärterhaus, in welchem die Pilgerherberge untergebracht ist. Die fliegenden Ameisen  krochen in unsere Schlafsäcke. Für den folgenden Tag wurde uns 38 Grad Celsius prognostiziert und so entschlossen wir uns gegen Mitternacht die Herberge zu verlassen.

Die Cathédrale in Nantes mit ihren enormen zum Himmel strebenden Pfeilern beeindruckte uns sehr. Sie beherbergt zahlreiche Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament, dazu gehört auch das Grab von Herzog Franz II der Bretagne und Margarete von Foix mit enormer Symbolkraft aus strahlendem Carrara-Marmor. Die großartige Hilfsbereitschaft in den Tourist-Infos und den Gites unterwegs, die freundlichen Leute in Cafés und am Wegesrand, die netten Gespräche auf den Campingplätzen, der herzliche Empfang in Nantes in der Cathédrale Saint Pierre et Paul sind ausschlaggebend für unser Wohlbefinden unterwegs gewesen.

Unsere zwei Nachtwanderungen bei Mondschein mit dem berauschenden nussartigen Duft der Wälder mit den angrenzenden Buchweizenfeldern, am Wegesrand zahlreiche Glühwürmchen, der Nebel, welcher morgens über die sanften Hügel krabbelte machte unsere diesjährige Pilgertour zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Auf google ist unsere komplette Fotodokumentation zum Voie l’Abbaye de Beauport

 

Paimpol bis La Madeleine 6,6 km
La Madeleine bis Lanvollon 16,8 km
Lanvollon bis Châtelaudren 16,4 km
Châtelaudren bis Boqueho
Boqueho bis Quintin 15,4 km
Quintin bis Bosmeleac 17,9 km
Bosmeleac bis Quillio 12,2
Quillio bis Saint-Caradec 8,1 km
Saint-Caradec bis Saint Gonnery 12,3 km
Saint-Gonnery bis Rohan 9,7 km
Rohan bis Josselin 25,9
Josselin bis Malestroit 26,6 km
Malestroit bis Rochefort-en-Terre 19,7 km
Alternativ: Malestroit bis Saint-Jacut-les-Pins
Rochefort-en-Terre bis Saint-Jacut-les-Pins 11,8 km
Saint-Jacut-les-Pins bis Redon 16,2 km
Redon bis Fégréac 12,3 km
Fégréac bis Gouenrouet 21,4 km
Gouenrouet bis Blain 22,3 km
Blain bis Nort-sur-Erdre 25,7 km
Nort-sur-Erdre bis La-Chapelle-Sur-Erdre 20,6 km
La-Chapelle-Sur-Erdre bis Nantes 16,5 km
Nantes bis Saint-Fiacre-sur-Maine
Saint-Fiacre-sur-Maine bis Clisson

Voie d’Ossau

Bei dieser Pyrenäenüberquerung auf dem Voie d’Ossau hatten wir das Gefühl, den Himmel anfassen zu können. Genau diese Beschreibung hatte auch Aimery Picaud in seinem Pilgerführer zum Camino de Santiago, nur das Picaud im Codex Calixtinus diese Strecke als zu gefährlich beschrieben hatte und einen anderen Pyrenäenübergang bevorzugte. Zumindest bei dieser Strecke über den Col des Moines hat er genau meine Worte benutzt, nur eben fast tausend Jahre früher und natürlich nicht auf deutsch. Die Mönche von Sainte-Christine du Somport hatten im XII. Jahrhundert die Jakobspilger in Gabas abgeholt und sicher über den Col des Moines geführt, also über den Pass der Mönche, der heute noch so in den topografischen Karten benannt ist.

Zumindest ist sie schwieriger, als die meißten Wege der Jakobspilger, dafür aber umso schöner, zumindest wenn das Wetter mitspielt. Bei Nebel sieht man gar nichts, noch nicht einmal zwei Meter weit konnten wir sehen, als die Nebelwand uns einholte. Glücklicherweise waren wir schon wieder unten auf der anderen Seite des Passes.

Als Jakobsweg ist diese Strecke ist als GR108 mit dem rot-weißen Streifen ausgeschildert und hat die blau-gelbe Jakobsmuschel dazu bekommen. Außerdem sind dort die neuerdings blau-gelben Streifen der französischen Jakobswege zu finden.

Diese Strecke wurde von uns als Schönwetterstrecke bezeichnet, allerdings war es dort sogar im August in der Nacht ziemlich kalt. Bei Regen würde ich sie auf keinen Fall wählen, dann ist sie sogar heute noch gefährlich. Die letzten paar Kilometer bis zum Anschluß an den Camino Aragonés sind nicht ausgeschildert und die Stelle beim Lac de Escalar geht steil bergab, ich habe lieber meinen Hosenboden benutzt, um nicht hinunter zu kullern, Tina hatte allerding überhaupt keine Probleme dort wieder hinunter zu kommen.

 

Inzwischen habe ich auch den gps-Track auf https://hiking.waymarkedtrails.org/#route?id=1112797&map=11!43.0331!-0.3254 gefunden

Refuge d’Ayous

Unsere Reiseplanung unter zum  Voie d’Ossau

und unsere Fotodoku zum Voie d’Ossau auf blogspot

(Anschluss an den GR78)
Sainte-Colome bis Louvie-Juzon 2,7 km
Louvie-Juzon bis Béon 7,3 km
Béon bis Aste 2 km
Aste bis Béost 4,2 km
Laruns bis Eaux-Chaudes 4,8 km
Eaux-Chaudes bis Gabas (Alternative nach Formigal Abzweig GR108A) 10,6 km
Gabas bis Refuge d’Ayous 12,1 km
Refuge d’Ayous bis Col des Moines 1,4 km
Col des Moines bis Astún 2,8 km
Astun bis Col du Somport 2,9 km
Gesamtstrecke 50,8 km
weiter auf dem GR65-3 Camino Aragonés

Unsere Reiseunterlagen habe ich unter der Reiseliteratur einsortiert und beschrieben.

Betreuende Jakobusorganisation ist aucœrduchemin

Eine sehr gute Internetseite ist VPPYR

Falls das Wetter nicht mitspielt, muß man den Weg durch das Tal nehmen, welches Valle de Tena heißt. Der Reiseführer ist aber nur auf französisch erhältlich und sollte schon bei der Tourenplanung zur Hand sein. Vor Ort habe ich keinen gefunden, nur diese Internetseite bietet eine Wegbeschreibung an.

Via Jutlandica

Waymarked Trails auf openstreetmap

interaktive Übersicht Jakobswege in Norddeutschland auf Google MyMaps

die wichtigsten links auf Google

Zubringerweg ist der Ochsenweg

Leider habe ich von der Via Jutlandica nur einige wenige Fotos, diese habe ich damals versehentlich bei der Via Baltica untergebracht. Auf google steht die dazugehörige  Linksammlung zur Via Jutlandica.

Dieser Pilgerweg gehört zur Deutschen St. Jakobusgesellschaft e.V. in Aachen

 

Weil wir in Dithmarschen dieses Jahr im Frühjahr 2017 die Mitgliederversammlung der Region Norddeutschland hatten, habe ich jetzt endlich eine vernünftige Fotosammlung von der westlichen Route der Via Jutlandica, wir haben die Rückfahrt zur Schilderkontrolle genutzt und dabei ein paar Fotos gemacht und wie immer fällt es sehr schwer, zu entscheiden, welches das schönste Foto ist.

Offensichtlich gibt es auch zweifarbige gelbe Pfeile, die Via Jutlandica hat aber wie die anderen Jakobswege auch das typische sonnengelb, es sei denn die Farbe war mal ein Fehlgriff, zweifarbige Pfeile haben Jakobswege eher nicht und sind wohl einem Konkurrenzweg zuzuordnen.

Besonders beeindruckend ist diese Strecke, weil man so schön weit sehen kann, insbesondere wenn die Strecke oben auf dem Deich entlang führt. Auf einem Deich ist es allerdings besonders schwierig, Schilder anzubringen, deshalb sitzen viele Schilder unten an der daneben führenden Straße. Daher ist es sinnvoll, die Wegbeschreibung zu lesen, allerdings ist es sehr einfach, dem Deich zu folgen.

Auf dem Deich mußten wir die Kühe erst überreden, uns durch das Gatter zu lassen, sie waren doch ziemlich neugierig und froh über unsere Gesellschaft. Vor dem großen schwarzen Rindvieh hatte ich dann aber doch ziemlichen Respekt.

Besonders reizvoll ist für mich jedes mal die Fährfahrt zwischen Glückstadt und Wischhafen. Es fühlt sich fast wie auf hoher See an, wenn man auf der Fähre steht, nur das eben ein wenig der Seegang fehlt. Manchmal kann man dort sogar Seerobben beobachten. Leider fehlten dieses mal die Seerobben, dafür habe ich endlich daran gedacht, die Quitscheentchensammlung vor die Linse zu nehmen. Nur seltsam: Eine Ente macht Werbung für Büsum.

Via Jutlandica Westküstenweg

Via Jutlandica Dithmarscher Jakobsweg

Kühe auf der Via Jutlandica
Fotogene Rindviecher auf der Via Jutlandica
Quitscheentchen auf der Via Jutlandica
Quitscheentchensammlung auf der Via Jutlandica

Quitscheentchensammlung auf der Via Jutlandica
Fährfahrt von Glückstadt nach Wischhafen auf der Via Jutlandica

Seenotrettung auf der Via Jutlandica

Camino Francés

Camino Francés

Es gibt reichlich Informationen im Internet über die Hauptstrecke vom Camino de Santiago, den Camino Francés -Reiseblog auf blogspot. Diese Strecke ist mit Abstand die berühmteste, aber längst nicht die schönste im Streckennetz der Jakobspilger, allerdings gehört sie zu den Strecken, die in die meißten Sprachen die Reiseführer übersetzt wurden. Deshalb wird der Weg von Pilgern aus aller Welt gelaufen. Sie gilt heute als Pilgerautobahn. Leider hatte ich damals noch keine Digitalkamera, die Fotos sind eingescannt und auf blogspot zu sehen. In dem obigen blog steht soviel drin, ich mußte einen zweiten machen, der dann auch bis Finisterre und weiter geht.

Fast alle Jakobspilger fangen ihr Pilgerdasein auf diesem Streckenabschnitt an, manche laufen diese Strecke sogar mehrmals. Ich bin allerdings wie Paulo Coelho auf dem Camino Aragonés beim Sompostpass angeganfen. Meine Informationsseite zum Camino Francés habe ich auf google sites unter Meine Jakobswege.

Die Orte unterwegs sind (Kilometer bis zum nächsten Dorf – (A) steht für Albergue :

(Anschlußwege sind verlinkt)

in den Regionen in Navarra

  • St. Jean Pied d’Port (A) ( in SJPdP schließt die Via Podiensis an die Strecke an.
  • 28 Roncesvalles (A)
  • 3 Burguete
  • 3,4 Espinal
  • 9,8 Alto de Erró
  • 5,3 Zubiri (A)
  • 5,5 Larrasoaña (A)
  • 11,5 Are (A)
  • 3,7 Pamplona (A)
  • 4,7 Cizur Menor (A)
  • 12 Uterga (A)
  • 4,5 Obanos (A)
  • 3,2 Eunate (A)
  • 2,3 Puente la Reina (A) (hier stößt der Camino Aragonés hinzu)
  • 5,0 Mañeru
  • 2,5 Ciraqui (A)
  • 5,5 Lorca (A)
  • 5,0 Villatuerta
  • 4,0 Estella (A)
  • 2,8 Ayegui / Irache (A)
  • 5,0 Ázqueta
  • 1,9 V. Mayor de Monjardin (A)
  • 12,4 Los Arcos (A)
  • 6,0 Sansol (A)
  • 0,8 Torres del Rio (A)
  • 10,9 Viana (A)

La Rioja

  • 9,4 Logroño (A)
  • 13,0 Navarrete (A)
  • 6,0 Ventosa (A)
  • 10,0 Nájera (A)
  • 5,8 Azofra (A)
  • 9,3 Ciriñuela (A)
  • 5,9 Santo Domingo de la Calzada (A)
  • 6,5 Grañón (A)

Burgos

  • 3,8 Redecilla del Camino (A)
  • 2,0 Castildelgado
  • 2,4 Viloria de Rioja (A)
  • 3,5 Villamayor del Rio (A)
  • 4,7 Belorado (A)
  • 4,8 Tosantos (A)
  • 3,5 Espinosa del Camino
  • 3,7 Villafranca Montes Oca (A)
  • 12,0 San Juan de Ortega (A)
  • 3,7 Agés (A)
  • 2,5 Atapuerca (A)
  • 8,6 Orbaneja
  • 2,8 Villafria
  • 10,1 Burgos (A)
  • 6,2 Villabilla de Burgos (A)
  • 3,6 Tardajos (A)
  • 2,0 Rabé Las Calzadas (A)
  • 8,2 Hornillos del Camino (A)
  • 5,7 Arroyo Sanbol (A)
  • 4,9 Hontanas (A)
  • 7,0 Convento San Ánton (A)
  • 2,7 Castrojeriz (A)
  • 9,0 Puente Fítero (A)
  • 1,0 Itero del Castillo (A)

Palencia

  • 0,7 Itero de la Vega (A)
  • 8,0 Boadilla del Camino (A)
  • 6,0 Frómista (A)
  • 3,8 Población de Campos (A)
  • 5,7 Villamentero de Campos
  • 4,0 Villalcazar de Sirga (A)
  • 5,8 Carrion de los Condes (A)
  • 17,2 Calzadilla de la Cueza (A)
  • 6,2 Lédigos (A)
  • 2,8 Terradillos de los Templarios (A)
  • 5,9 San Nicólas del Real Camino (A)

León

  • 7,4 Sahagún (A)
  • 3,0 Calzada do Coto (A)
  • 4,2 Calzada de los Hermanillos (A)
  • 3,0 Bercianos del Real Camino (A)
  • 7,8 El Burgo Ranero (A)
  • 13,0 Reliegos (A)
  • 6,0 Mansilla de las Mulas (A)
  • 4,0 Villamoros
  • 2,0 Puente Villarente
  • 7,0 Valdelafuente
  • 7,0 Léon (A)
  • 4,0 Trobajo del Camino
  • 2,7 Virgen del Camino
  • 6,7 San Miguel del Camino
  • 7,8 Villadangos del Paramo (A)
  • 4,3 San Martin del Camino (A)
  • 6,3 Hospital de Orbigo (A)
  • 5,1 Santibañez (A)
  • 8,0 San Justo de la Vega (A)
  • 3,4 Astorga (A)
  • 4,6 Murias de Rechivaldo (A)
  • 4,9 Sta. Catalina de Somoza (A)
  • 4,2 El Ganso (A)
  • 7,0 Rabanal del Camino (A)
  • 5,6 Foncebadón (A)
  • 2,2 Cruz de Ferro
  • 2,2 Manjarín (A)
  • 6,8 El Acebo (A)
  • 3,5 Riego de Ambrós (A)
  • 4,7 Molinaseca (A)
  • 3,0 Ponferrada (A)
  • 4,8 Columbrianos
  • 4,9 Campnayara
  • 5,8 Cacabelos (A)
  • 7,2 Villafranca del Bierzo (A)
  • 7,2 Perefe (A)
  • 4,8 Trabadelo (A)
  • 3,4 Portela
  • 1,0 Ambasmestas
  • 0,8 Vega de Valcarcel (A)
  • 4,3 Rutelán (A)
  • 3,5 La Faba (A)
  • 2,3 Laguna de Castilla-verano (A)

Lugo

  • 2,6 O Cebreiro (A)
  • 2,3 Hospital da Condesa (A)
  • 3,0 Alto del Poio (A)
  • 3,3 Fonfía del Camino (A)
  • 2,3 Viduedo
  • 6,4 Triacastela (A)
  • 3,0 San XII
  • 10,5 Calvor (A)
  • 1,0 Aguiada
  • 1,5 San Mamede do Camino
  • 4,0 Sarria (A)
  • 5,2 Barbadelo (A)
  • 6,1 Brea
  • 1,7 Ferreiros (A)
  • 1,5 Rozas
  • 5,0 Vilacha
  • 1,5 Portomarin (A)
  • 6,2 Gonzar (A)
  • 2,5 Hospital da Cruz
  • 1,2 Ventas de Narón (A)
  • 2,9 Ligonde (A)
  • 1,1 Eirexe (A)
  • 4,8 Alto de Rosario
  • 2,4 Palas de Rei (A)
  • 4,2 Xan Julian (A)
  • 1,0 Ponte Camana-Mato (A)
  • 0,8 Casanova (A)

La Coruña

  • 3,6 Leboreiro (A)
  • 4,4 Furelos
  • 1,9 Melide (A)
  • 5,6 Boente de Riba
  • 2,2 Castañeda
  • 3,1 Ribasido de Baixo (A)
  • 2,7 Arzua (A)
  • 1,5 Raido
  • 9,8 Salceda
  • 4,8 O Pino (A)
  • 2,8 Rúa
  • 1,2 Arca (A)
  • 10,8 Lavacolla
  • 1,3 Monte de Gozo (A)
  • 4,5 Santiago de Compostela (A)

de Compostela à Fisterra

  • 20,0 Negreira (A)
  • 33,2 Olveiroa (A)
  • 17,0 Corbubión (A)
  • 10,0Fisterra (A)
  • 22 Muxia (A)

Europäische Fernwanderwege

  • E1 7000 km vom Nordkap Norwegen bis Salerno in Italien
  • E2 4850 km Iverness in England bis Nizza in Frankreich
  • E3 6950 km von Santiago de Compostela in Soanien bis Nesbär in Bulgarien
  • E4 11800 km Tarifa in Spanien bis Lanaca (CY)
  • E5 2900 km Pointe du Raz in Frankreich bis Verona in Italien
  • E6 6300 km Kilpisjärvi in Finnland bis Alexandroupolis in Griechenland
  • E7 4330 km El Hierro in Spanien bis Nowi Sad in Serbien
  • E8 4390 km von Dublin in Irland bis Svilengrad in Bulgarien
  • E9 5200 km von Lissabon in Portugal bis Danzig in Polen
  • E10 2880 km Nuorgam Finnland bis Bilzano in Italien
  • E11 2070 km von Scheveningen in Holland bis Ogrodniki in Polen
  • E12 1600 km Ceuta in Spanien bis Salerno in Italien

E1

Auf unseren Wegen haben wir etliche europäische Weitwanderwege gekreuzt, damit wir zukünfig wissen, wo welcher Weg einen anderen kreuzt, habe ich den gps-Track von waymarked Trails heruntergeladen und routingfähig umgewandelt. Anbei der link https://hiking.waymarkedtrails.org/#route?id=371743&map=4!59.594!16.7684

Die Beschreibung zu den jeweiligen Kreuzungen folgt demnächst. Zuerst heißt es, den Track navigationsfähig zu machen. Eine gute Beschreibung gibt es bei Wikipedia unter dem Stichwort E1. Zumindest der norwegische Teil scheint eschrieben zu sein, die Wegbeschreibung gibt es beim Conrad Stein Verlag.

Der Weg startet am Nordkap in Norwegen, führt durch Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, die Schweiz und Italien nach Sizilien. Leider endet der zusammenhängende Teil momentan noch in der Toskana in Italien, weiterführende Teile sind aber vorhanden. Der endgültige Streckenverlauf steht allerdings dort noch nicht fest. Als Alternative bietet sich dort der Sentiero Italia. Die interaktive Karte der italienischen Wandervereinigung CAI http://www.cai.it/index.php?id=477&L=0 hat die entsprechenden Kontaktadressen.

Europäische Fernwanderwege

Cammini d’Europa

http://www.camminideuropa.it/en/

 

Auf der obigen Internetseite werden spanische Jakobswege auf italiensisch  beschrieben, zwei italienische Pilgerwege sind auch dabei. Dazu gehört die

  • Via degli dei
  • Alta Via dei parchi (dazu gehört auch ein entsprechendes Buch) -leider fehlt dort der entsprechende gps-Track, diverse Teilstücke stehen aber auf folgender Karte:

https://hiking.waymarkedtrails.org/#routelist?map=11!44.0471!11.6164

Volto Santo, eine Pilgerwanderung im August 2017

Das Heilige Gesicht, eine Christusskulptur aus romanischer Zeit in der Kathedrale in Lucca

Einmal im Jahr wird er für die große Prozession heraus geholt und darf frische Luft atmen. Dieser wertvolle Christus und berühmtes Kunstwerk ist die anderen Tage im Jahr eingesperrt in einen vergoldeten Käfig. Zu ihm haben wir uns aufgemacht, ihn haben wir uns als Ziel gesetzt, als wir unsere diesjährige Pilgerwanderung planten.

Wie gut, dass wir nicht ahnten, was uns erwartete – wir wären sonst vielleicht gar nicht aufgebrochen. So aber reisten wir per Bahn nach Pontremoli in Italien / Lunigiana. Nordöstlich von Lucca sind es nur 80 km, unser GPS sagte uns später wir seien 238 km gelaufen.

Schon am ersten Tag in Pontremoli erwartete uns eine keltische Kultur, sie erinnerte uns sehr an unsere Erlebnisse in der Bretagne. Wir sahen in der alten Festung, die heute als Museum dient, Stelen mit einfachen Gesichtern – Augenstelen, die angeblich die größte Sammlung Europas ist. Auch der alte Ort und die Landschaft erinnern sehr an die Bretagne, obwohl das umgebende Gebirge eher Alpencharakter hat.

Über 2200 Jahre sind vergangen seit die Römer hier die Kelten vernichtend geschlagen haben und doch blieben sie in diesem Landstrich in der Erinnerung, ebenso wie weiter südlich die Etrusker.

Als wir uns am zweiten Tag unserer Reise auf den Weg Via del Volto Santo machten, bekamen wir ein Geschenk – eine Heckenschere – sie war unser zuverlässigster und wichtigster Begleiter auf diesem Weg. Die himmelblauen Wegzeichen sind gut zu finden, wir sehen sie! Aber wo ist der Weg? Über lange Wegstrecken mussten wir uns durch dorniges Gestrüpp durchkämpfen und den Weg freischneiden. Die Wege wuchern hier in kürzester Zeit wieder zu, wenn nicht Gemeinden oder Privatpersonen sie ständig pflegen, sind sie schnell wieder verschwunden. Manchmal war sogar das GPS-Gerät machtlos bei der Spurensuche im mannshohen Farn oder im Dornengestrüpp, wir fühlten uns wie auf einer Dschungelexpedition. Römische Brücken über Flüsse und Schluchten – es galt sie zu finden, wenn man nicht die Auto-Straße benutzen wollte, aber insbesondere diese alten Sträßchen verlieren sich oft im Gestrüpp.

Je tiefer wir hinabstiegen, desto unglaublicher wurde es. War es oben noch heiß und trocken, herrschte unten eine dumpfe Feuchtigkeit, sie schien alles zu umhüllen. Weiche wattige Stille schluckt die Geräusche. Ein Meer von Brombeerstäuchern, Brennesseln und Farnen, Bäume auf Felsboden, die wie Gnome aussehen, wildes Durcheinander von herabgefallenen Steinen und Bäumen, das Unterholz mit lianenartigen, kraftvollen Schlingpflanzen und dazwischen wundervolle kleine Blumen in satten Farben, alles ist überwuchert und undurchdringlich. Dann wieder Strecken gut gepflegter alter Mulitracks, uraltes Pflaster, zwischen gemauerten Wänden bis zwei Meter Höhe aus Felsgestein mit einem Dach aus Bäumen, herrlicher Schatten bei 32 bis 35 Grad Sommerhitze. Ein erstaunlich heller und klarer Fluss mit wenig Wasser und glattgeschliffenem weißen Felsplateau ist zum ausruhen wie geschaffen, aber hier, wo man sich beruhigt für eine gute Pause niederlassen könnte fehlt jeglicher Schatten. Also müssen wir uns wieder zwischen Farnen und Bäumen durchschlängeln und über umgestürzte Bäume klettern. Ihre offen liegenden wilden Wurzeln haben riesige Wunden in das Felsgestein gerissen.

Der Pfad verläuft nie parallel zum Bach, denn da wäre kein Durchkommen. Der Weg führt von Höhe zu Höhe und von Kastell zu Kastell, immer tief hinunter und wieder hoch hinauf. Schon in haben in der Schule haben wir gelernt, dass in Italien die Dörfer wegen der Malariagefahr in den Sümpfen immer auf den Kuppen angelegt worden sind. So sind denn auch die meisten Kastelle heute gut befestigte Dörfer. Und wenn jemand glaubt in diesen alten unwirtlichen Gemäuern kann doch keiner mehr wohnen, der muss nur mal abends spät die Autos zählen, die sich dort einfinden! In den engen Gassen und auf jeder einigermaßen ebenen Fläche um den Ort herum parken sie, am nächsten Morgen sind sie früh wieder verschwunden. Der Tag beginnt hier bei der sommerlichen Hitze sehr früh, dafür ist am Mittag, wenn wir normalerweise ankommen alles wie ausgestorben, obwohl oben in den Dörfern noch ein verhältnismäßig kühlender Wind weht. Unten ist vom Himmel kaum etwas zu sehen, nur indirektes vielfach gebrochenes Licht in diesem Dschungel.
Ganz stecken geblieben sind wir allerdings nur zwei Mal. Wir überlegten ernsthaft, was nun? Zurück steil bergauf durch den Dschungel? Oder schneiden wir uns weiter durch die Wildnis, bis wir wieder in passierbares Gelände kommen? Hier reichte allerdings keine noch so gute Gartenschere mehr aus, es hätte schon eine Axt und eine Baumsäge sein müssen. Einmal fiel die Entscheidung für vorwärts. Zentimeter für Zentimeter haben wir und aus den Gefängnis herausgeschnitten, dann ein kurzer Absturz und es war geschafft. Die Blessuren blieben gering. Beim zweiten Mal fiel die Entscheidung für rückwärts leichter, weil in der Nähe ein geschotterter Weg erkennbar wurde. Allerdings ging der Weg dann auf Straßen rückwärts bis wir die blau gekennzeichneten Via del Volto Santo wieder gefunden hatten.
Wer uns heute fragt, ob wir es bedauern? Diese wundervollen alten Orte, diese herrlichen romanischen Kirchlein, diese Festungen auf den Bergkuppen, die Tiere unterwegs, die Pflanzen, der volle Mond über den Apuanischen Alpen, die Hunde, die ihn anheulten, wir möchten keins dieser Erlebnisse missen. Es war Abenteuer pur. Dabei verläuft nur wenige Kilometer weiter östlich die stärker begange „Via Francigena“ auch von Pontremoli über Lucca nach Rom, die auf diesem Teil wesentlich kürzer ist. Beide Wege sind uralte Handelsstraßen, schon aus keltischer Zeit bekannt und schon im 12. Jahrhundert schriftlich festgehalten. Für den Notfall hatten wir hatten ein Zelt dabei, aber Unterkünfte waren nirgendwo ein Problem, ein Zelt auf dem steinigen Boden aufzustellen war weitaus schwieriger.
Sogar an zwei Orten konnten wir das das „Volto Santo“ sehen und die Stadt Lucca hat uns ausnehmend gut gefallen, es war ein Höhepunkt (einer der vielen Höhepunkte). Wo immer wir ankamen haben wir Gastfreundschaft genossen, auch manchmal völlig unverhofft. Jetzt sind wir wieder heil und gesund zu Hause angekommen, um viele Erfahrungen reicher, oder besser „Erwanderungen“.