Nach jahrelanger Vorbereitung war ich nun endlich unterwegs zur französisch-spanischen Grenze und navigierte mich mit Hilfe meiner Landkarte durch Europa.

Kurze hinter Münster habe ich einen Handwerker aufgesammelt, der auf der Walz war.  Diese alte Weiterbildung, die seit dem Mittelalter besteht und über die Zünfte organisiert wird hat eine ebenso lange Tradition wie der Jakobskult und wird in den letzten Jahren immer populärer. Heute würde ich natürlich nicht mehr mit dem eigenen Auto zur französisch-spanischen Grenze fahren, Fliegen ist wahrscheinlich billiger, geht schneller, das Auto braucht nicht in der heißen spanischen Sonne brutzeln, eine Umweltsünde ist die Fahrt sowieso und die lange Strecke steht in keinem Verhältnis zur Pilgertour. Dennoch: Mein erstes Erlebnis war der Tramper, denn vorher hatte ich es mir niemals zugetraut, jemanden auf eine solche Strecke mitzunehmen. Auf dem Weg nach Spanien hatte ich gleich zweimal Gesellschaft, denn kurz hinter Paris sammelte ich einen französischen Tramper auf, den ich bis kurz hinter Oloron mitnahm und der mir einen kleinen Platz für mein Zelt im Hof seiner Oma überließ, damit ich nicht die ganze Nacht durchfahren musste. Für mich war das aus heutiger Sicht ganz schön mutig, aber genau dieser Mut gehört zu den Jakobspilgern dazu. Die Welt ist gar nicht so schlecht, wie sie uns immer von den Medien verkauft wird. Die meißten Menschen sind nett, zuvorkommend und hilfsbereit, wenn man ihnen nicht allzu sehr auf die Nerven geht. Seitdem nehme ich immer mal wieder Tramper mit, insbesondere diejenigen, die auf der Walz sind.

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