Visbeker Braut und Bräutigam

Die Großsteingräber in der Wildeshauser Geest haben mehrere Geschichten und Volkssagen hervorgebracht. Aus dem 18. Jahrhundert stammt die Sage von Braut und Bräutigam.

Inmitten der Ahlhorner Heide lag in alter Zeit ein großer Bauernhof. Der Besitzer war stolz und habgierig und hätte seine einzige Tochter gern mit einem reichen Bauernsohn aus der Umgebung verheiratet. Aber das Mädchen liebte einen anderen, der ihr Jugendgefährte gewesen war. Der hartherzige Vater kümmerte sich nicht um die Wünsche seiner Tochter und setzte gegen ihren Willen den Hochzeitstag fest.

Am Hochzeitsmorgen bewegte sich ein Zug festlich gekleideter Menschen über die Heide auf Visbek zu. Voran schritt die geschmückte Braut mit ihren Eltern, dahinder das Gefolge der Verwandten und Nachbarn. Die Braut war totenblaß, in ihren Augen standen Tränen. Immer näher kamen sie dem Dorf, die Glocken von Visbek waren schon zu hören. Da richtete sich das Mädchen in ihrer Verzweiflung ihre Blicke gen Himmel und rief flehend: „Hilf, o Gott! Lieber will ich auf der Stelle zu Stein werden, als einem Mann gehören den ich nicht lieben kann!“

Kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, da erstarrte der Brautzug. Wo eben noch Menschen von Fleisch und Blut ihres Weges zogen, erhoben sich nun mächtige Steine in zwei Reihen nebeneinander. Der Myrthenkranz, die Blumen und Bänder verwandelten sich in graue Flechten und Moose. Auch der Zug des Bräutigams erlitt das gleiche Schicksal und erstarrte zu Stein. Die mächtigen Findlinge dort geben davon Kunde.

Die erste Fassung dieser Sage wurde 1811 in Form eines Gedichtes veröffentlicht.

Desweiteren werden die Großsteingräber in Niedersachsen mit dem Frankenkönig Karl den Großen, dem König der Riesen Surbold und dem Sachsenkönig Widuking in Verbindung gebracht. Widukind wurde von den Franken geschlagen und 783 in einem Großsteingrab begraben, allerdings nicht in dieser Grabanlage auf der Via Baltica, sondern in der heutigen Gemeinde Belm in der Nähe von Rulle kurz vor Osnabrück.

Quelle: Großsteingräber zwischen Weser und Ems, Isensee Verlag Oldenburg

Empfehlen