Jakobsweg in Beyenburg

vorherige Etappe von Dortmund nach Hohensyburg

Unsere Tagestour auf dem Jakobsweg Richtung Beyenburg hat mich mal wieder überrascht. Die Strecke hinter Dortmund ist jetzt schon hügelig. Dortmund scheint die Grenze zwischen radfahrerfreundlich und fussgängerfreundlich zu sein. Die netten Hügel durch jetzt schon herbstliche Wälder auf Wald- und Schotterwegen sind nach etlichen Teerstrassen auf radfahrfreundlichen Strecken ein totaler Genuss.  Auch die Architektur ist plötzlich völlig anders. In Beyenburg sehen wir überall Schiefer, und hübsch geschmückte Strassen, die wir eigentlich nur vom Maifest kennen.

Aber die grün weissen Fähnchen in Beyenburg haben nix mit Werder Bremen zu tun. Hier findet gerade in diesen Tagen die Ehrung des Schützenkönigs statt, denn hier legen die Dorfbewohner noch Wert auf ländliche Traditionen. Und so hatten wir Gelegenheit, dem örtlichen Spielmannszug zu lauschen und ihm hinterherzulaufen.

In Beyenburg am Stausee fanden wir auch die inzwischen berühmt gewordene kleine Kapelle, die mal ein Stall war und an Das Wunder im Schnee erinnert. Ok,  mit wundersamen Ereignissen wurden wir dieses Jahr 2018 sowiesi

Über Wuppertal haben wir dann unseren Tagesausflug beendet und sind mit dem Zug zurück nach Dortmund gefahren.

Fotos

und am letzten Wochenende sind wir von Beyenburg noch weiter nach Lennep, die Schwebebahn konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Leider lassen sich die Fotos nicht speichern.

 

 

 

Tagebuch 04. September – auf der Walz

Nach jahrelanger Vorbereitung war ich nun endlich unterwegs zur französisch-spanischen Grenze und navigierte mich mit Hilfe meiner Landkarte durch Europa.

Kurze hinter Münster habe ich einen Handwerker aufgesammelt, der auf der Walz war.  Diese alte Weiterbildung, die seit dem Mittelalter besteht und über die Zünfte organisiert wird hat eine ebenso lange Tradition wie der Jakobskult und wird in den letzten Jahren immer populärer. Heute würde ich natürlich nicht mehr mit dem eigenen Auto zur französisch-spanischen Grenze fahren, Fliegen ist wahrscheinlich billiger, geht schneller, das Auto braucht nicht in der heißen spanischen Sonne brutzeln, eine Umweltsünde ist die Fahrt sowieso und die lange Strecke steht in keinem Verhältnis zur Pilgertour. Dennoch: Mein erstes Erlebnis war der Tramper, denn vorher hatte ich es mir niemals zugetraut, jemanden auf eine solche Strecke mitzunehmen. Auf dem Weg nach Spanien hatte ich gleich zweimal Gesellschaft, denn kurz hinter Paris sammelte ich einen französischen Tramper auf, den ich bis kurz hinter Oloron mitnahm und der mir einen kleinen Platz für mein Zelt im Hof seiner Oma überließ, damit ich nicht die ganze Nacht durchfahren musste. Für mich war das aus heutiger Sicht ganz schön mutig, aber genau dieser Mut gehört zu den Jakobspilgern dazu. Die Welt ist gar nicht so schlecht, wie sie uns immer von den Medien verkauft wird. Die meißten Menschen sind nett, zuvorkommend und hilfsbereit, wenn man ihnen nicht allzu sehr auf die Nerven geht. Seitdem nehme ich immer mal wieder Tramper mit, insbesondere diejenigen, die auf der Walz sind.

Der Handwerker auf der Walz ist ähnlich unterwegs wie der Jakobspilger, denn er bleibt nie lange an einem Ort, hat ein Stempelbuch, in dem er seine Aufenthaltsorte dokumentieren läßt und insgesamt eine ähnliche Lebensauffassung.

Tagebuch 03. September – die Entscheidung für den Somportpass

Trotzdem: ich musste noch fast ein Jahr warten, um endlich die nötigen Urlaubstage zusammenzukratzen, die man für eine solche Weitwandertour braucht. Im August 2005 ging es endlich los. Im Nachhinein betrachtet kann ich richtig froh sein, nicht Hape Kerkeling begegnet zu sein, aber dazu komme ich noch später.

Nachdem ich meinen kleinen Rucksack bereits im normalen Urlaub ausprobiert hatte und über den Winter die Wanderschuhe eingelaufen habe, traute ich mir tatsächlich den Jakobsweg zu und bestellte meinen Pilgerpass bei der Jakobusgesellschaft in Würzburg. Sehr erfreut war ich über das umfangreiche Informationsmaterial, welches dem Ausweis beilag und so langsam bekam ich Reisefieber. Ich grub in etlichen Nächten das Internet nach sämtlichen Informationen zum Thema Jakobsweg um und las etliche Stunden die Reiseberichte, schaute mir die Fotos von anderen an und fühlte mich gut vorbereitet. An den Wochenenden unternahm ich Wanderungen über etliche Kilometer und mehrere Stunden, holte mein Fahrrad und meine Skater aus dem Keller und bereitete mich sportlich so gut ich konnte vor. Gegen meine Sonnenallergie schluckte ich Calziumtabletten. Damals hatte ich noch kein Navigationsgerät, meine Reiseroute malte ich auf eine Landkarte von Lidl. Die Karte war super ausführlich, weil sie damals als Werbemittel für den Supermarkt diente, um anzuzeigen in welchen Dörfern der Discounter zu finden war, deshalb war fast jedes Dorf in der Kartenlandschaft verzeichnet. Ich druckte mir die Reiseroute im Internet aus und setzte mich an meinem ersten Urlaubstag ins Auto. Während meiner jahrelangen Recherche hatte ich natürlich auch das Buch von Paulo Cuelho gelesen, der Schriftsteller ist ca. 10 Jahre vor mir am Somportpass gestartet und berichtete von einem Parkplatz dort. Deshalb entschied ich mich für den Camino Aragonés, diese Alternativroute beginnt an der französisch-spanischen Grenze und hat sogar heute noch einen Parkplatz. Mit meinem heutigen Wissen würde ich natürlich andere Anreisewege wählen. Egal ob Zug, Bus oder Bahn zum Startpunkt St.-Jean-Pied-de-Port, jede Variante ist besser als das Auto, es sei denn man hat einen Hund dabei.

Tagebuch 02. September Freunde und Familie

Nach all dem hin und her wollte ich nun selbst auch auf den Jakobsweg und nicht nur andere, die wollten, daß ich den Jakobsweg gehe. Wohl bemerkt: Die anderen meinten, mir würde dieser Fußmarsch guttun, selbst haben sie noch nie eine Mehrtageswanderung in der Größenordnung unternommen. Trotz allem ließ ich mich anstecken, mein letztes Gegenargument, ich sei nicht katholisch und wüßte auch nicht, wo der Pilgerpass zu beziehen sei, wurde schnell durch das Internet widerlegt. Die Stichwortsuche „Pilgerpass“ in einer der Suchmaschinen spuckte etliche Bezugsmöglichkeiten und Jakobusvereinigungen aus. Dennoch: Aus den 16 Vereinen wählte ich die in Würzburg aus, dort reichte für den Bezug des Pilgerpasses damals schon eine email. Ich mußte mir also keinen Pastor suchen, um mir irgend ein Bestätigungsschreiben  ausstellen zu lassen, welches ich dort hin schicken sollte.  Die Würzburger waren viel einfacher: eine einfache email und eine Überweisung reichte. Der Betrag in der Überweisung war so lächerlich klein, daß es sich kaum lohnte, das Formular auszufüllen. Deshalb bestellte ich gleich die Jakobsmuschel und einen Aufnäher mit.

Im Grunde genommen begann im Sommer 2003 meine eigentliche Vorbereitungszeit auf den Jakobsweg, allerdings war ich bereits seit fünf Jahren mit dem Gedanken im Kopf unterwegs, so langsam wurde ich ungeduldig und wollte endlich los.

Tagebuch 01. September Wünsche

Trotz aller Gedanken und dem festen Willen, den Jakobsweg gehen zu wollen, habe ich mich immer noch nicht auf die Socken gemacht und das Vorhaben immer weiter und weiter nach hinten geschoben. Doch dann lernte ich jemanden kennen, der vor seinen Freunden damit prahlte: „Sie will den Jakobsweg gehen!

Damals setzte ich mich gerade mit dem Thema „Wünsche“ auseinander und ich wußte genau, was man sich wünscht könnte auch in Erfüllung gehen und ich wußte ebenfalls, dass man vorsichtig mit seinen Wünschen umgehen muss, denn diese könnten tatsächlich in Erfüllung gehen. Ich wünschte mir seit Jahren, den Mut und die Kraft aufzubringen, den Jakobsweg gehen zu können, da ich bereits ziemlich gut Spanisch konnte, war die Sprache für mich die geringste Hemmschwelle, viel mehr drängte es mich förmlich nach Spanien, denn ich wollte endlich mal so richtig meine schwer erworbenen Sprachkenntnisse anwenden. Schon zu Schulzeiten war ich stinksauer, daß ich mich stundenlang mit Englisch und Französisch auseinander setzen musste und nie aus meinem stinklangweiligen Heimatdorf rausdurfte, welches jeden Sommer gewaltig nach Gülle aus der einen Windrichtung und nach Schweinestall aus der anderen Windrichtung roch. Auf Klassenfahrt durften wir auch nicht, unsere Lehrer waren einfach zu faul. Und Urlaub? Was ist das denn, das war offensichtlich für unsere Eltern eine grausame Vorstellung.

So war der Jakobsweg endlich mal eine Reise, die ich ganz alleine eigenverantwortlich machen durfte, vorher hat entweder immer das Geld gefehlt oder irgendetwas anderes hat nicht gepasst. Zuhause angebunden und festgekettet durch Familie und andere innere Hemmschwellen musste ich erst 30 Jahre werden, um endlich mal ins Ausland zu kommen. Mich ärgern noch heute Leute, die behaupten, jeder könne den Jakobsweg gehen. Diese Aussagen sind völliger Blödsinn und sollten auf keinen Fall ernst genommen werden! Menschen, die solche Dinge sagen, machen die wichtigsten Dinge und Entscheidungen unbewußt, der Jakobsweg bringt aber gerade die Dinge, die im Unsichtbaren verborgen liegen, an die Oberfläche und macht sie sichtbar. Ein Weitwanderweg bietet die Möglichkeit, bewußt an seine persönlichen Charakterschwächen heranzugehen, da ein Weitwanderer tagelang seinen eigenen Gedanken ausgesetzt ist. Das kann nicht jeder, läßt sich aber sehr leicht auf dem Jakobsweg lernen, wahrscheinlich aber auch durch etliche andere Möglichkeiten. Allerdings sollte man schon mit einem mentalen Zusammenbruch rechnen und sich darauf vorbereiten.

Den Fehler habe ich glücklicherweise an meinem Sohn nicht gemacht: Die Freiheit ohne Grenzen beginnt im Kopf, und so durfte er seinen ersten Auslandsaufenthalt mit 15 Jahren in Spanien machen. Diese grenzenlose Freiheit spiegelt sich heute in seinem gesamten Lebensstil wider, ich musste mir diese Freiheit erst erkämpfen, und das gehörte auch zur Vorbereitung auf den Jakobsweg.

Diese Freiheit hat sich inzwischen auf andere Bereiche übertragen. Sich diese Freiheit zu nehmen benötigt eine ganze Menge Selbstvertrauen, Mut und Zuversicht, insbesondere in die Zukunft und auch mal schwierige Situationen meistern zu können.